Importanteil von Bio-Produkten in Deutschland ermittelt

Bio-Getreidemarkt in ruhigerem Fahrwasser

02.12.2011 (AMI/FiBL) Die „Analyse der Entwicklung des ausländischen Angebots bei Bioprodukten mit Relevanz für den deutschen Biomarkt“ – ein Projekt im Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft – ist abgeschlossen. In einem Puzzleansatz ermittelten die Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI), das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), AgroMilagro Research und fleXinfo die Importanteile der wichtigsten Bio-Frischeprodukte und Bio-Rohstoffe in Deutschland.

Mit Hilfe einer Befragung der Importeure, Daten aus der Außenhandelsstatistik des Statistischen Bundesamtes von Unternehmen, die sich dazu bereit erklärt haben, sowie der Produktions- und Flächenanalyse in der Europäischen Union und den weltweit jeweils wichtigsten Lieferländern wurden die bisher unbekannten Importanteile bestimmt. Für Produkte, bei denen der Handel die Herkunft auszeichnet, (Obst, Gemüse, Kartoffeln und Eier) wurden außerdem die Daten des GfK-Haushaltspanels analysiert.

 Ein überraschendes Ergebnis war der niedrige Importanteil von Getreide mit 15 Prozent. Beim  Weizen allerdings kamen 21 Prozent der Partien aus dem Ausland. Der Anteil variiert je nach Menge und Qualität der deutschen Ernte, jedoch besteht in Rumänien, Russland und der Slowakei noch deutliches Steigerungspotenzial. Unerwartet hoch fiel mit 24 Prozent der Importanteil von Leguminosen, vor allem Futtererbsen, aus. Die Importe werden eine noch größere Rolle spielen, wenn die hundertprozentige Bio-Fütterung bei Bio-Schweinen und Bio-Geflügel Gesetz sein wird. Hierbei spielen auch die Ölsaaten mit den Sojabohnen hinein, die mit durchschnittlich 76 Prozent den größten Importanteil aller untersuchten Produkte aufweisen. Der Anbau in Deutschland ist zwar machbar, aber nicht ganz einfach, so dass hier noch deutliches Ausbaupotenzial besteht.

Beim Gemüse sind Möhren das mit Abstand absatzstärkste Produkt; sie werden auf 14 Prozent der deutschen Möhrenfläche angebaut. Da die einzelnen Betriebe ihre Anbauflächen nicht mehr vergrößern können, importiert Deutschland 48 Prozent der Möhren. Für eine höhere Produktion in Deutschland müssten zusätzliche Betriebe Flächen hinzunehmen. Die sehr hohen Importraten von Fruchtgemüsen wie Tomaten (80 Prozent) und Paprika (90 Prozent) sind der ganzjährigen Nachfrage von Produkten, die in Deutschland nicht immer wachsen, geschuldet. Bei Unterglasgemüse ist jedoch die Nachfrage nach regionaler Ware groß, so dass Anbauausweitungen möglich sind.

Bio-Äpfel und Bio-Bananen sind die absatzstärksten Produkte beim Bio-Obst. Bio-Bananen weisen natürlicherweise eine Importrate von 100 Prozent auf, bei den Bio-Äpfeln sind es immerhin noch 50 Prozent im Wirtschaftsjahr 2009/10. Da genau in diesem Zeitraum die Bio-Apfelfläche ausgeweitet wurde und nun mit 3.000 Hektar etwas mehr als 9 Prozent der gesamten Apfelfläche Deutschlands beträgt, ist bei entsprechenden Witterungsbedingungen mit einer Zunahme der deutschen Produktion und geringerem Importanteil zu rechnen.
Deutschland importiert 32 Prozent der Trinkmilch und 26 Prozent der Butter vor allem aus Dänemark und Österreich. Käse dürfte einen ähnlich hohen Importanteil haben. Andere Produkte wie Joghurt und Sahne dagegen kommen nahezu 100 prozentig aus Deutschland. In Milchmengen umgerechnet sind das, ohne die Käseimporte zu berücksichtigen, 16 Prozent der Milch.
Die wichtigsten Lieferländer für Deutschland sind für Getreide Italien, Russland, Kasachstan, Rumänien und die Slowakei. Bei Proteinpflanzen, also Futtererbsen, Ackerbohnen, Lupinen, spielt Litauen mit Abstand die größte Rolle. Für die Ölsaaten einschließlich Sojabohnen sind Rumänien und Italien die wichtigsten Lieferländer, wobei bei Sojabohnen außereuropäische Länder wie Kasachstan, Argentinien, Indien und Brasilien eine zunehmende Rolle spielen. Die Bio-Kartoffelimporte kommen vor allem aus Israel, Ägypten und Österreich. Die Niederlande sind bedeutendster Lieferant von Möhren, Zwiebeln und Eiern. Aus Spanien und Italien kommen vor allem Fruchtgemüse. Israel liefert neben Kartoffeln und Möhren größere Mengen Paprika und Tomaten. Aus Italien kommt außerdem ein gutes Drittel der in Deutschland verkauften Äpfel. Die Bananen stammen vor allem aus der Dominikanischen Republik, Ecuador und Costa Rica.

In vielen genannten Ländern werden weiterhin Bio-Flächen umgestellt und so können weitere Produkte für den internationalen Markt produziert werden. Schon beim jetzigen Verbrauch ist Deutschland auf diese Importe angewiesen, und das insbesondere bei Produkten, die hier schwer oder nur zu einer bestimmten Saison zu produzieren sind. „Bei vielen tierischen Produkten wie Eiern, Milch und Schweinefleisch übersteigt der Verbrauch die deutsche Produktion und bei ausreichender und günstiger Futterversorgung bestehen für deutsche Produzenten gute Absatzmöglichkeiten“, sagte die AMI-Projektleiterin Diana Schaack. „Denn wenn wir den Verbrauchstrend aus den ersten drei Quartalen 2011 zugrunde legen, wird der deutsche Bio-Markt auch in den kommenden Jahren noch deutliche Wachstumsraten verzeichnen.“.
Weitere Ergebnisse dieses Projektes, das im Rahmen des Bundesprogrammes Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft gefördert wurde, sind ab sofort unter AMI/Ökolandbau/Bio Importdaten/Schlussbericht (~7 MB) sowie unter www.orgprints.org/19899/ oder www.bioimporte.de abrufbar.

Redaktion: Diana Schaack

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