Stichworte zur Marktbeschreibung

Gehandelte Mengen und gezahlte Preise zu nennen, genügt allein meist noch nicht, um über den Markt zu berichten. Dazu bedarf es vielmehr häufig noch der ergänzenden Beschreibung des Marktgeschehens. Aber auch sie vermag das Marktgeschehen nur dann wirklich überschaubar zu machen, wenn sie sich einer allgemein verständlichen Sprache und klar geprägter Begriffe bedient.

Die AMI nutzt in ihren Marktberichten eine eigene Sprache. Um Missverständnissen und sachlichen Fehlinterpretationen vorzubeugen, hatte die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts einen Leitfaden zur Marktsprache entwickelt. Die wichtigsten Inhalte daraus haben wir hier noch einmal zusammengestellt und an einigen wenigen Stellen ergänzt. Die Stichworte zur Marktbeschreibung sollen den Lesern wie auch den für sie tätigen Berichterstattern eine praktische Hilfestellung sein. Denn was nutzen die besten Informationen, wenn man sie falsch interpretiert oder gar nicht versteht?

(1) Begriffsbestimmung

Begriff Bestimmung
allgemein: das Zusammentreffen von  Angebot und Nachfrage, auch ohne exakte räumliche oder zeitliche Abgrenzung. Er umfasst die Gesamtheit aller Beziehungen zwischen Käufern und Verkäufern eines Gutes und dient dem Ausgleich von Angebot und Nachfrage sowie der Preisbildung.
der Handelsplatz im räumlichen Sinn auf verschiedenen Marktstufen
eine Absatzveranstaltung
die Absicht oder der Wille, eine Ware zu verkaufen
diejenige Menge an Gütern (oder Dienstleistungen), die ein, mehrere oder alle Anbieter bei alternativen Preisen auf dem Markt veräußern möchte(n)
allgemein: die Absicht oder der Wille, eine Ware entgeltlich zu erwerben
mengenmäßig: die Menge eines Gutes, die zu einem bestimmten Preis verlangt wird
Achtung: Nachfrage ist nicht gleich Bedarf!
kurzfristige, insbesondere aktuelle Entwicklung des Angebots, der Nachfrage und vor allem des Preises
das in Geld ausgedrückte Austauschverhältnis der Waren oder Dienstleistungen auf dem Markt, wo sich die Preisvorstellungen der Anbieter und die der Nachfrager gegenüberstehen
die Überlassung von Ware an andere Marktteilnehmer gegen Entgelt
die Menge der in einem bestimmten Zeitraum verkauften Waren
die Menge eines Gutes multipliziert mit seinem Wert
langfristige Bewegung des Angebots, der Nachfrage oder des Preises
Jahreszeit, in der ein Gut in erheblicher Menge angeboten und nachgefragt wird
jahreszeitliche Bewegung des Angebots, der Nachfrage und des Preises

(2) Markt- und Geschäftsverlauf

Die folgenden Begriffe beziehen sich auf die Zeitspanne, in der die Geschäfte im Durchschnitt oder überwiegend abgeschlossen werden. Je nach Marktlage kann die vorhergehende Erkundung der Marktposition des Käufers oder Verkäufers und das Aushandeln von Preisen und Konditionen von unterschiedlicher Dauer sein.


Zur weiteren Charakterisierung bei besonderen Marktsituationen dient die Angabe „uneinheitlich“, wenn aufgrund des sehr unterschiedlichen Marktverlaufs innerhalb eines oder mehrerer Märkte kein einheitlicher Begriff verwendet werden kann.

Außerdem sind Angaben wie „(nicht) geräumt“ und „Überstand“ (das Angebot ist größer als die Nachfrage) bei der Notierung von organisierten Marktveranstaltungen in Gebrauch. Diese Begriffe charakterisieren nicht nur den Marktverlauf, sondern sind auch Zustandsbeschreibungen. Der Begriff „Geschäftsverlauf“ beschreibt eine kontinuierliche Entwicklung, z. B. auf Großmärkten.

(3) Preistendenzen

Die nachfolgenden Bezeichnungen geben die Entwicklung der Preise in Bezug auf einen vorhergehenden Zeitpunkt wieder. Die Preistendenzen werden unterschiedlich charakterisiert, je nachdem, ob man rückschauend oder vorausschauend berichtet.

Rückschau Vorschau Definition
fest, anziehend, steigend Preise erhöhen sich insgesamt
sich befestigend, fester überwiegend leicht steigende Preise
stabil, unverändert gleichbleibende Preise, wenig oder kaum Veränderung
sich behauptend erwartete Preisrückgänge sind ausgeblieben
schwächer überwiegend leicht sinkende Preise
sinkend, nachgebend, rückläufig, schwach Preise gehen insgesamt zurück
fallend Preise gehen insgesamt deutlich nach unten

“Anziehend“ verwendet man nur dann, wenn vorher ein Preisstillstand beobachtet wurde. Entwickeln sich die Preise für ein Erzeugnis örtlich oder gebietlich sehr unterschiedlich, so dass sich keine einheitliche Tendenz feststellen lässt, wird die Bezeichnung „uneinheitlich“ benutzt. Weiterhin können Zusätze wie „anhaltend“, „weiter(hin)“, „noch“, „stark“ verwendet werden.

Begriff Definition
Preiserhöhungen nach vorangegangenen Preisrückgängen

Ein überraschend steiler, wahrscheinlich noch fortdauernder Preisanstieg (vorwiegend in Verbindung mit Börsennotierungen)
Ein überraschend scharfer, wahrscheinlich noch fortdauernder Preisrückgang (vorwiegend in Verbindung mit Börsennotierungen)

(4) Angebot

Die Beschreibung des Angebotes erfolgt durch Bezugnahme auf die Nachfrage.

bezogen auf die Nachfrage Definition
es wird erheblich mehr Ware angeboten als nachgefragt
es wird mehr Ware angeboten als nachgefragt
Angebot und Nachfrage sind ausgeglichen
es wird weniger Ware angeboten als nachgefragt
es wird erheblich weniger Ware angeboten als nachgefragt

(5) Angebotstendenzen

Rückschau Vorschau
zunehmend, steigend, wachsend
stetig, gleichbleibend
abnehmend, rückläufig, zurückgehend, sinkend, schwindend

Zur weiteren Charakterisierung werden Zusätze wie „stark“, „leicht“, „deutlich“, „kräftig“ usw. verwendet.

Außerdem können die oben stehenden Begriffe mit den unten stehenden zusammen verwendet werden, wie z. B. „… groß und weiter zunehmend ...“. Anstelle von „angeboten“ sind auch „offeriert“ und „verfügbar“ in Gebrauch.

(6) Nachfrage

Die Beschreibung der Nachfrage erfolgt durch Bezugnahme auf das Angebot.

Bezogen auf das Angebot Definition
es wird erheblich mehr Ware nachgefragt als angeboten
es wird mehr Ware nachgefragt als angeboten
Nachfrage und Angebot sind ausgeglichen
es wird etwas weniger Ware nachgefragt als angeboten
es wird erheblich weniger Ware nachgefragt als angeboten

(7) Nachfragetendenzen

Rückschau Vorschau
zunehmend, steigend, sich belebend, wachsend
stetig, gleichbleibend, stagnierend
abnehmend, rückläufig, zurückgehend, schwindend

(8) Unwörter - Schwarze Liste

Einige der auf dieser Liste zusammengestellten Begriffe sind zum Teil durchaus anwendbar. Sie werden hier trotzdem aufgeführt, da sie nur unter bestimmten Voraussetzungen verwendet werden sollten.

Unwort Begründung
abgewickelt Kein schöner Ausdruck für abgesetzt.
ausreichend Ausreichend beschreibt nur die Nachfrage im Verhältnis zum Angebot und umgekehrt.
befriedigend Nicht neutral, für wen ...? Das gleiche gilt für „gut“, „schlecht“, „unbefriedigend“ oder „zufriedenstellend“
begrenztes Angebot Worauf begrenzt? Auf die Menge, die Qualität, ...? Sollte immer dazugesagt werden!
freundlich Sollte nur für Preistendenzen gebraucht werden, nicht: „ein freundlicher Preis“ oder „die Nachfrage ist freundlich“.
geräumt Sollte nur für organisierte Marktveranstaltungen benutzt werden.
gut, schlecht, enttäuschend Sollte eigentlich nicht verwendet werden (nicht neutral) oder nur mit einemVerweis darauf, für wen etwas gut, schlecht oder enttäuschend ist.
Interesse an … Besser: Nachfrage
kontinuierlich Kontinuierlich sagt ohne Zusatz wie „niedrig“ oder „hoch“ etc. wenig aus. Ein Preis kann sowohl kontinuierlich tief als auch kontinuierlich hoch sein.
leichter Leichter wird manchmal bei Preisen verwendet, ist aber zu unklar.
mäßig Was heißt schon mäßig? Zurückhaltend, angemessen, leidlich, nicht besonders groß, nicht sehr gut oder passabel?
platziert Oder auch „kaum zu platzieren“. – Besser: „abgesetzt“ oder „kaum abzusetzen“. Platzieren klingt so nach Tischordnung.
Produkt X räumt (problemlos, ...) Wenn überhaupt, dann: „Produkt X (problemlos usw.) geräumt“.
Seitwärtsbewegung Börsenunwort des Jahres 2004. Denn eine „Seitwärtsbewegung“ an der Börse „findet immer dann statt, wenn sich gerade nichts bewegt“, gemeint ist also de facto Stagnation.
stetig Stetig bedeutet lediglich, dass etwas nicht schwankt oder es bezeichnet einen beständigen Zustand. Es sollte auch nur in diesem Sinne oder nur mit den Zusätzen „steigend“, „fallend“ o.ä. verwendet werden.
zu … Es muss immer dazugesagt werden, wofür etwas „zu ruhig“, „zu klein“, „zu groß“ etc. ist. Wendungen wie „der Absatz an X ist weiterhin zu ruhig“ sollten vermieden werden.

Oft wird auch fälschlicherweise „Forderungen“ für Preise verwendet. Forderungen sind Ansprüche eines Gläubigers auf Leistungen gegenüber Kunden oder Banken, die aus einem Schuldverhältnis entstehen, und nicht mit Preisen zu verwechseln.

Ebenso sind „Notierungen“ keine Preise, sondern Preisfeststellungen, die in der Regel von einer amtlichen Notierungskommission vorgenommen werden.

(9) Literatur

Stichworte zur Marktbeschreibung – Leitfaden für den Marktbeobachter. Herausgegeben von Zentrale Markt- und Preisberichtstelle für Erzeugnisse der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft GmbH. Bonn um 1980.

Die Marktsprache: Ursprung – Geschichte – Anwendung. Herausgegeben von Zentrale Markt- und Preisberichtstelle GmbH. Bonn 1993. ISBN 3-930399-44-X.

Die Marktsprache – Ackerbau und Futter. Herausgeber Dr. Thomas Hambüchen. Verlag Zentrale Markt- und Preisberichtstelle GmbH. Bonn 1995. ISBN 3-930399-83-0.

Aktualisierung am 20.12.2012