Deutschland | Vieh & Fleisch | Markttrends

Ganz oben: Die Dauerbrenner – Transparenz, Nachhaltigkeit und Regionalität

26.06.2018 (AMI) – Die Tierhaltung und die Fleischwirtschaft sind, wie kaum eine andere Branche, einer stark emotionalen Sichtweise und einem hohen Erwartungsdruck der Bevölkerung ausgesetzt. Umso wichtiger ist es zu wissen, wo die Stellschrauben sind, um ein positives Image beim Konsumenten zu bekommen und wirtschaftlich erfolgreich zu agieren.

BranchenDialog Fleisch + Wurst 2018 (Foto: AMI)

Die zunehmende Transparenz in der Lieferkette bietet dem Konsumenten heute eine Vielzahl von Möglichkeiten, seine Kaufentscheidungen von unterschiedlichen Faktoren abhängig zu machen. In den Spannungsfeldern zwischen Premium- oder preisaggressiver Strategie sowie regionaler Vermarktung oder Export gilt es für die Unternehmen, Antworten und Lösungen zu finden. Zudem kommt dem Tierwohl eine immer höhere Bedeutung zu. Mehr denn je sind sie gefordert, sich zu einzelnen Themen klar zu positionieren, gegebenenfalls ihre Geschäftsmodelle zu überdenken und neue Wege zu gehen. Orientierung über Wege und Strategien gab der BranchenDialog Fleisch + Wurst am 20. Juni 2018 in Köln. Er griff aktuelle Themen auf und hat auch in diesem Jahr wieder Top-Experten der Branche als Sprecher gewonnen.

Nutztierhaltungsstrategie – zukunftsfähige Tierhaltung in Deutschland

Mit der Nutztierhaltungsstrategie stellt sich das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) der Herausforderung, die Nutztierhaltung in Deutschland weiterzuentwickeln. Die Strategie setzt auf Qualitätswettbewerb statt Mengenwettbewerb, so Dr. Werner Kloos vom BMEL. Mit der beschriebenen Strategie und den daraus abgeleiteten Maßnahmen wird es gelingen, das Tierwohl deutlich zu verbessern und die Umweltauswirkungen zu vermindern.

Tierwohl in der Praxis – das „Duke of Berkshire"- Programm in Deutschland

Dirk Nennen (Handelshof Management GmbH) zeigte, was erreicht werden kann, wenn Schlagworte wie Tierwohl oder Regionalität nicht nur dazu genutzt werden, wieder einmal „mehr Umsatz und mehr Profit“ zu generieren. Mit dem Programm „Duke of Berkshire“ in Deutschland stellt man sich mit einer offenen und vor allem ehrlichen Erzeugung dem Misstrauen, aber auch der Erwartung der Verbraucher und zeigt, dass Fleischkonsum auch ein Genuss ohne schlechtes Gewissen sein kann. Zugleich sind Idealismus, Engagement und der absolute Wille von allen Beteiligten essentiell für die Arbeit mit der alten englischen Robust-Schweinerasse „Duke of Berkshire“.

Der Schweineflüsterer erzählt …

Für Dr. Kees Scheepens, Tierarzt, Schweineflüsterer und erfolgreicher Autor, stehen das Tier und sein Wohlergehen im Mittelpunkt seiner täglichen Arbeit. Die tierische Produktion der Zukunft ist geprägt von Verbesserungen und ständiger Optimierung beim Tierwohl und von intensiven Beratungen der Landwirte hinsichtlich des Verhaltens von Schweinen, denn diese sind die intelligentesten Tiere in der Landwirtschaft.

Brühe-To Go: Knochenbrühe – ein tierisches Produkt, das für Gesundheit steht!

Getreu dem Motto „Lass die Nahrung deine Medizin sein und Medizin deine Nahrung“ kocht Bone Brox, vorgestellt von Konrad Knops (Geschäftsführer Bone Brox GmbH) die Knochen von Weiderindern bzw. Freilandhühnern zusammen mit Gemüse und Heilkräutern in Bio-Qualität 18 Stunden lang in gefiltertem und revitalisiertem Wasser zu einer köstlichen Brühe aus. Durch die lange Kochzeit werden alle Mineralstoffe und Kollagene aus den Knochen gelöst. Das Ergebnis ist eine leckere, nährstoffreiche und wohltuende Brühe, wie von Oma.

Pilotprojekt von Reinert: neue Produktlinie aus zu 100% antibiotikafreier Schweineaufzucht – erstmals in Deutschland

Verbrauchersorgen ernst zu nehmen und nachhaltig zu handeln, ist dem westfälischen Familienunternehmen Reinert ein wichtiges Anliegen. Seit einigen Jahren entsteht ein Problem, für das der Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung nach Einschätzung der WHO mitverantwortlich ist: die Bildung von multiresistenten Keimen, durch die immer mehr Antibiotika für den Menschen ihre Wirksamkeit verlieren. Mit dem geplanten Produktsortiment aus Schweinefleisch, das aus zu 100 % antibiotikafreier Aufzucht stammt, will Reinert im Rahmen eines Pilotprojekts einen ersten Schritt gehen und auf die Konsumentenwünsche reagieren. Die von Claudia Musters und Roland Verdev (H. & E.  Reinert Westfälische Privat-Fleischerei GmbH) vorgetragene Produktlinie ist kontrovers diskutiert worden und sorgte für reichlich Zündstoff unter den Teilnehmern vor Ort.


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Beitrag von Matthias Kohlmüller

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

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