Deutschland | Obst | Strukturdaten

Aprilfröste führten 2017 zur kleinsten Obsternte seit Jahren

12.04.2018 (AMI) – Die Obsternte in Deutschland 2017 war die kleinste der vergangenen 25 Jahre. Äpfel beeinflussen maßgeblich das Gesamtergebnis. Aber auch bei anderen Obstarten wie Steinobst gab es starke Einschnitte. Zudem war die Erdbeerernte eine der kleinsten in den vergangenen 15 Jahren. Lediglich Strauchbeeren sind weiter auf Wachstumskurs. Was sind die Gründe für die sehr kleine Ernte? Den größten Einfluss hatten sicherlich die Spätfröste im April 2017, aber für die kleine Obsternte gibt es noch weitere Ursachen.

Insgesamt wurden in Deutschland 2017 nur 847.000 t Obst geerntet. Das waren 35 % weniger als im Jahr zuvor. Damit wird die Obsternte 2017 als eine der kleinsten überhaupt in die Geschichtsbücher eingehen. Bei jährlichen Schwankungen wurden in den vergangenen Jahren durchschnittlich rund 1,3 Mio. t Obst geerntet. Hauptgrund für die starken Einbußen waren die Frostnächte im April 2017. Das alleine wäre wohl noch nicht ausreichend gewesen, denn Fröste im April gibt es auch in anderen Jahren. Vielmehr wurden die Blüten vieler Obstarten in einem empfindlichen Stadium getroffen, weil sie nach einem warmen und sonnigen März schon weit entwickelt waren. Die Blüten, die es, geschützt durch Frostschutzberegnung oder andere Maßnahmen, durch die Fröste geschafft haben, hatten es aber auch in der Folge nicht leicht. Wachstum und Reife wurden von teils extremen Witterungsbedingungen negativ beeinflusst. Starkregen im Norden und eine lange Hitze- und Dürreperiode in den südlichen deutschen Anbaugebieten haben die Erträge bei nahezu allen Obstarten gemindert. Lediglich Strauchbeeren stellten sich 2017 gegen den Trend. Sie hatten zwar auch keine optimalen Bedingungen, aber es kommen neue und ertragreichere Anlagen in den Ertrag.

Auch in Europa kleine Obsternte

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen europäischen Ländern haben extreme Witterungsbedingungen 2017 zu Ernteausfällen geführt. Nach vorläufigen Angaben wurden europaweit 34,9 Mio. t Obst geerntet, und damit 10 % weniger als im mehrjährigen Mittel. Dabei wird das Gesamtergebnis im Wesentlichen von den Äpfeln beeinflusst. Die Ernte an Steinobst in den südeuropäischen Ländern war dagegen eine der größten der vergangenen Jahre.

Obsteinfuhren steigen weiter

Schon in den Jahren 2015 und 2016 waren steigende Mengen an Obst nach Deutschland importiert worden. Die Obsteinfuhren im Jahr 2017 haben den bisherigen Spitzenwert noch einmal übertroffen. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 5,47 Mio. t Obst nach Deutschland importiert. Vor allem die Einfuhren an Strauchbeeren und Exoten wie Avocados oder Mangos haben sich dynamisch entwickelt. Es wurden aber auch mehr Bananen, Äpfel und Wassermelonen importiert. Bananen sind die Obstart, die mit Abstand den größten Anteil an den Obstimporten hat. Sie machten 2017 fast 26 % der Gesamtmenge aus. Spanien und Italien sind seit Jahren die wichtigsten Herkunftsländer. Dahinter folgen mit Kolumbien, Costa Rica und Ecuador Länder, aus denen überwiegend Bananen importiert werden.

Obwohl in Deutschland keine Bananen produziert werden, sind Bananen dennoch die Nummer 1, wenn es um Obstexporte aus Deutschland geht. Bei diesen Reexporten fungiert Deutschland als Drehscheibe für den europäischen Markt. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 686.500 t Obst aus Deutschland exportiert, davon waren 342.000 t Bananen. Die Exportmengen reichen dabei nicht an das Vorjahresergebnis heran.

Auswirkungen auf Preise, Angebotsaktionen und private Nachfrage

Das Jahr 2017 hat gezeigt, dass es bei einem Naturprodukt wie Obst immer wieder zu besonderen Marktsituationen kommen kann. Unter dem Einfluss der Witterung verfrühen oder verspäten sich Saisonverläufe, es kommt zu Ausfällen oder auch zu Zeiten mit Überangebot. Das sind für alle Marktbeteiligten große Herausforderungen. Aber nicht nur die Produktion reagiert auf die äußeren Bedingungen, auch die Nachfrage zeigt Abhängigkeiten von den Witterungsbedingungen. So steigt die Nachfrage nach Melonen bei hohen Temperaturen und Sonnenschein, während die Nachfrage nach Bananen in solchen Situationen sinkt. Während Erdbeeren bei frühlingshaftem Wetter stärker nachgefragt werden, ist die Nachfrage nach Himbeeren und Heidelbeeren nicht so stark witterungsabhängig.

Wie haben sich die Rahmenbedingungen 2017 auf das Angebot, die Nachfrage und die Preise ausgewirkt? Als Antwort auf diese Fragen haben die AMI Marktexperten in der AMI Markt Bilanz Obst umfangreiche Fakten und Daten zu Erntemengen von Obst in Deutschland, Europa und der Welt, zum Außenhandel, zur Preissituation und zur Nachfrage zusammengestellt. Nutzen Sie die Jahrbücher als wichtige Grundlage für Ihre strategischen Entscheidungen: Sie haben die Wahl zwischen der Buchausgabe im handlichen A5-Format für den Schreibtisch oder dem eBook plus als pdf-Dokument mit allen Kennzahlen als Excel-Tabellen. Beide Ausgaben können Sie bequem online bestellen.

Beitrag von Michael Koch

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

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