Europa | Zwiebelgemüse | Marktprognose

Wieder große Zwiebelernte in der EU

09.11.2017 (AMI) – Die Zwiebelernte in der EU fällt 2017 mit 6,01 Mio. t nur gut 1 % kleiner aus als im Vorjahr. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass bei Ernteschätzungen meist Brutto-Mengen ermittelt werden. Die wirklich vermarktbare Menge dürfte in dieser Saison stärker zurückgehen, als die Ernteschätzung vermuten lässt.

Jährlich treffen sich im Herbst die Vertreter des Zwiebelsektors aus 7 wichtigen Produktionsländern der EU, um unter anderem die Ernteerwartungen bekannt zu geben. In diesem Jahr traf man sich am 9. November in Straubing in Niederbayern. Die AMI moderiert diese Ernteschätzung und ergänzt die Daten von nicht teilnehmenden Ländern. In der Summe kamen mit 6,017 Mio. t Zwiebeln ähnlich große Brutto Mengen zusammen wie im Vorjahr, dennoch gibt es entscheidende Unterschiede. Denn während die Qualität im Vorjahr aufgrund optimaler Erntebedingungen sehr gut war, gibt es in diesem Jahr bezüglich der Haltbarkeit einige Fragezeichen. Denn in vielen Gebieten Nordwesteuropas sowie in Polen und im Baltikum konnte die Ernte aufgrund anhaltender Niederschläge nicht rechtzeitig ins Lager gebracht werden. In Südeuropa mussten die die Sommerzwiebeln dagegen oft Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius aushalten. Auch dies wirft Fragen bezüglich der Haltbarkeit auf. Die vermarktungsfähige Menge dürfte damit spürbar kleiner ausfallen als in der Vorsaison. Bislang sorgen nicht lagerfähige Partien aber immer noch für Preisdruck.

Auf Drittlandexporte angewiesen

Die EU ist seit Jahren Netto Exporteur bei Speisezwiebeln, sie exportiert mit knapp 1 Mio. t dreimal so viel in Drittländer wie sie von dort bezieht. Besonders die Niederlande sind ein bedeutender Drittlandexporteur, wobei Westafrikanische Länder wie Senegal und die Elfenbeinküste eine immer wichtigere Rolle spielen. Diese Länder haben die Einfuhr aber in diesem Jahr zum ersten Mal kontingentiert, in den letzten Jahren schloss Senegal den Markt ab Februar ganz für Importe. Für niederländische Exporteure dürfte es damit eine Herausforderung bleiben, in der zweiten Saisonhälfte ausreichende Mengen zu exportieren.

Eine ausführliche Kommentierung der Lage am europäischen Zwiebelmarkt finden Sie in der nächsten Ausgabe der Markt Woche Obst und Gemüse, die ab 16. November verfügbar ist.

Die Zwiebelbranche aus Deutschland und den Nachbarländern trifft sich am 18. und 19. Januar 2018 im Hotel Schönau in Peine. Dies ist der optimale Zeitpunkt, um das Tagesgeschäft kurz zu unterbrechen und mit Experten aktuelle Aspekte zu Anbau, Lagerung und Vermarktung von Zwiebeln zu diskutieren.

Beitrag von Dr. Hans-Christoph Behr

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

Zurück

Login

Das könnte Sie auch interessieren

Europa | Obst | Marktstruktur

Katalonien in der Krise – Bedeutung der Region für den Obst- und Gemüsesektor

23.11.2017 (AMI) – Die Frage um den politischen Status Kataloniens beherrscht seit einigen Wochen die internationalen Schlagzeilen. Innerhalb Spaniens zählt Katalonien zu den wirtschaftsstarken Regionen, die maßgeblich zur Erholung der spanischen Volkswirtschaft nach der Finanzkrise beigetragen haben.  Mehr

Deutschland | Kernobst | Lagerbestand

Wenig Äpfel für die zweite Saisonhälfte

16.11.2017 (AMI) – Die diesjährige Apfelernte in Deutschland ist den Witterungsunbilden zum Opfer gefallen. Das spiegelt sich auch in den niedrigen Lagervorräten Anfang November wider. Für die zweite Saisonhälfte wird die Eigenversorgung knapp.  Mehr

Deutschland | Kohlgemüse | Angebot

Kleine Angebotslücke bei spanischem Broccoli

16.11.2017 (AMI) – Nachdem die Erntesaison bei Broccoli in Deutschland mittlerweile weitgehend beendet ist, erfolgt die Marktversorgung nun stärker mit spanischer Ware. Allerdings fällt das Angebot von dort begrenzt aus.   Mehr