Europa | Kernobst | Marktprognose

Fröste, Hagel und Trockenheit dezimieren Apfelernte

08.08.2019 (AMI) – Die Wetterkapriolen dezimieren die Ernteerwartungen bei europäischen Äpfeln. Dies ist das Ergebnis des diesjährigen Prognosfruit Kongresses in Belgien, auf dem traditionell die Ernteschätzung für die anlaufende Kernobstsaison 2019/20 vorgestellt wird. Im Normalfall wird jeder dritte EU-Apfel in Polen produziert. Aber gerade hier haben die Nachtfröste im Frühjahr massiv zugeschlagen und dezimieren die Erntemenge um rund 2 Mio. t Äpfel. Davon wird das europäische Umfeld preislich profitieren. Aber auch bei Birnen fällt die Ernte mit 2,05 Mio. t unterdurchschnittlich aus. Das Minus von 250.000 t konzentriert sich ebenfalls auf den Hauptproduzenten, aber dies ist dann Italien.

Für den deutschen Marktobstbau wird eine Apfelernte von 912.000 t erwartet. Dies ist nach den Jahren 2010 und 2013 die kleinste Apfelernte in den vergangenen 15 Jahren.

Ausfälle im deutschen Norden und Nordosten

Den Ausschlag geben die Nachtfröste im April und Mai, die insbesondere Niedersachsen, Mecklenburg- Vorpommern und Brandenburg trafen. Hier melden Obstbaubetriebe ohne Frostschutzberegnung Ertragsausfälle von bis zu 70 %. In den übrigen Regionen ist eine leicht unterdurchschnittliche Erntemenge zu erwarten, die aber durch eine anhaltende Trockenheit noch kleiner ausfallen könnte.

Was kann der Konsument erwarten?

Trotzdem ist für den Konsumenten eine ausreichende Versorgung mit Äpfeln gewährleistet, wobei sicherlich mehr Äpfel als üblich importiert werden. Die Apfeleinkäufe der privaten Verbraucher dürften bis zum Jahreswechsel 2019/20 höher ausfallen. Nach einer Schätzung des deutschen Fruchtsaftverbandes ist im Streuobstanbau bzw. in den Hausgärten nur eine Apfelernte von 350.000 t zu erwarten. Nach der Rekordmenge im Vorjahr von 1,1 Mio. t ist dies auch als Signal für eine schwächere Eigenversorgung der Haushalte zu bewerten.

Trotz der allgemein schwächeren europäischen Marktversorgung mit Äpfeln ist wohl vorerst nicht mit anziehenden Verbraucherpreisen bei Äpfeln zu rechnen. Bis Ende September sind parallel zur neuen Ernte noch Äpfel aus der Produktion 2018 und zahlreiche Überseeäpfel verfügbar. Diese möchten die Anbieter gerne verkaufen, und es werden preisgünstige Aktionen im Einzelhandel geschaltet werden.

Nach zwei extremem „Apfeljahren“, wobei die Verbraucherpreise in der Saison 2017/18 sogar die Marke von 2,50 EUR/kg überschritten, während Äpfel 2018/19 z.T. unter 0,50 EUR/kg angeboten wurden, deutet sich wieder ein „normales Jahr“ an. Je nach Sorte und Verpackung ist für Äpfel eine Preisspanne von 1-1,99 EUR/kg zu erwarten. Dies ist moderat für den Konsumenten und ermöglicht für den Produzenten ausreichende Erlöse.

Kostenloses Webinar zu den Marktaussichten beim Kernobst

Sie möchten mehr über Marktaussichten für die Saison 2019/20 erfahren? Dann nehmen Sie doch am kostenlosen Webinar der AMI-Akademie am 14. August 2019 teil und melden sich noch heute auf www.AMI-Akademie.de/Webinare an. Die Teilnehmerplätze sind begrenzt! Profitieren Sie von den neuesten Einschätzungen unseres Obstexperten Helwig Schwartau.

Beitrag von Helwig Schwartau
Bereichsleiter Gartenbau, Büro Hamburg

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

Zurück

Das könnte Sie auch interessieren

Deutschland | Fruchtgemüse | Angebot

Bei Zucchini nun aus dem Vollen schöpfen

25.02.2021 (AMI) – In den Anbaugebieten des Mittelmeerraumes liegen die Erntemengen bei Zucchini auf hohem Niveau. Die Verbraucher in Deutschland greifen bei frühlingshafter Witterung und konsumgünstigen Preisen verstärkt zu diesem Fruchtgemüse. Für den Einzelhandel sind Zucchini gerade jetzt ein beliebter Werbeartikel.   Mehr

Deutschland | Obst | Aktionspreise

Trotz Corona-Delle mehr Obst in der Werbung

23.02.2021 (AMI) – Ein Jahr mit 53 Wochen, da muss die Zahl der Werbeanstöße doch fast zwangsläufig höher sein als im Vorjahr. Diese Aussage gilt für 2020 nur bedingt. Tatsächlich wurde mehr frisches Obst vom Lebensmitteleinzelhandel beworben, aber das Plus bei der Zahl der Werbeanstöße fiel schwächer aus als erwartet. Schuld war die Corona-Pandemie. Im April hatte der LEH die wöchentlichen Werbezettel zeitweise ausgesetzt, daher wird im Werbekalender eine deutliche Corona-Delle sichtbar. Die Corona-Pandemie war 2020 aber nicht die einzige Einflussgröße. Unterschiedliche Saisonverläufe führen zu Veränderungen in der Top-10 der meistbeworbenen Arten. Wer war 2020 neu dabei?   Mehr

Deutschland | Zitrusfrüchte | Aktionspreise

Blutorangen werden stärker beworben als im Vorjahr

19.02.2021 (AMI) – Wer Blutorangen zu Aktionspreisen kaufen möchte, der sollte sich ranhalten. Denn die Zeit, in der Blutorangen von Lebensmitteleinzelhandel beworben werden ist knapp bemessen. Einzelne Aktionen gibt es zwar auch den März hindurch, der Höhepunkt der Werbeaktivitäten ist aber meist Mitte des Monats überschritten. In diesem Jahr wurden Blutorangen bislang deutlich stärker beworben als im Vorjahr. Aber wie sieht es mit den Aktionspreisen aus?   Mehr