Welt | Frühkartoffeln | Marktversorgung

Weniger Frühkartoffeln aus Israel

21.01.2026 (AMI) – Vor dem Hintergrund einer riesigen Speisekartoffelernte in Westeuropa wurden in Israel weniger Frühkartoffeln angebaut. Die Lieferanten wollen aber Ende März zu Ostern früher am Markt sein.

Speisefrühkartoffeln aus Israel sind im deutschen LEH neben dem Angebot aus Ägypten die Basis für den jährlichen Einstieg in ein neues Kartoffeljahr. Mit Frische, Optik aber auch relativ hohen Preisen wird das Kartoffelgeschäft nach und nach wieder auf ein neues Level gehoben. In 2026 allerdings wird der Einstieg in die Saison vor dem Hintergrund eines übervollen Marktes mit Lagerkartoffeln erfolgen müssen, und zwar an so gut wie allen Bestimmungsplätzen in der EU. Die EU ist bekanntlich bis auf Lieferungen nach Großbritannien, in die Schweiz oder nach Norwegen beinahe der einzige große Absatzmarkt für Frühkartoffeln aus Israel.

Auf die hierzulande niedrigen Preise und vollen Läger hat man wohl in Israel im Herbst und Winter 2025/26 bei den Auspflanzungen reagiert. Während für die eigene Verarbeitung – Kartoffelchips – mehr und für den Inlandmarkt gleich viel wie 2024/25 gepflanzt wurde, gibt es einen deutlich kleineren Anbau für Exportkartoffeln. Es könnten am Ende 25 % weniger ausgeführt werden aus im Vorjahr, so Schätzungen.

In den vergangenen 6 Jahren standen in Israel auf 14.000 bis 15.000 ha Kartoffeln - rund 80 % davon in der Negev-Wüste, nahe dem Gazastreifen. Wegen des Überfalls der Hamas am 7.10.2023 gab es für die Ernte 2024 einen nennenswerten Rückgang des Anbaus, der aber längst wieder aufgeholt wurde. So stellt es sich auch für die Erntemenge dar, die von meistens rund 500.000 t auf geschätzte 420.000 t einbrach. Grob werden jährlich etwa ein Drittel der Ernte exportiert. Die genauen Mengenangaben schwanken je nach Quelle aber deutlich. Legt man die Daten von UN-Comtrade zu Grunde, verlassen 2026 nach über 180.000 t im Vorjahr diese Saison nur 140.000 t das Land, was von Beobachtern vor Ort auch so bestätigt wird.

Deutschland wichtigste Bestimmung

Der mengenmäßig wichtigste Markt für Frühkartoffeln aus Israel ist Deutschland. Zu den von der Statistik ausgewiesenen 36.000 t in 2025 kommen noch nennenswerte Mengen aus Transitware aus den Niederlanden, Belgien oder Slowenien. Letztgenannte Quelle soll an Bedeutung verlieren, Israelis kommen mit größeren Schiffsladungen scheinbar günstiger in Nordseehäfen an. Zu einem ebenfalls sehr wichtigen Markt hat sich Spanien entwickelt. Dort macht sich vor allem die LEH-Kette Mercadona zunehmend unabhängig von den Lagerkartoffeln aus Frankreich. Das dürfte trotz großem Kostenvorteil auch 2026 so sein. Bis zu 40.000 t sind wieder möglich. Deutlich nachgelassen hat aus politischen Gründen in den Vorjahren der Verkauf in Nordeuropa. Außerdem gibt es mindestens einen Discounter, der in weiteren Ländern keine Frühkartoffeln aus Israel will. Nach Russland wird so gut wie nichts mehr verkauft und auch die Briten führen immer weniger aus Israel ein. Da die Verhältnisse schon teils 3 Jahre so sind wie beschrieben, dürfte eine Mengenreduzierung beim Export auch hierzulande wirksam sein.

Die Versorgung mit Frühkartoffeln wird 2026 etwas früher starten als in den Vorjahren. Der Beginn der Auspflanzungen lag 2025 rund 2 Wochen vor dem Termin in 2024. Die Lieferanten wollen schon im März lieferfähig sein, damit das Geschäft zum Osterfest bedient werden kann, das früh gleich zu Beginn des Aprils gefeiert wird – im Vorjahr war das 2 Wochen später.

Zum Witterungsverlauf und den Ertragsaussichten gibt es nur Gutes zu berichten. Es war warm genug und bisher gab es keine Kälteeinbrüche, wie sie sonst schon mal den Kartoffelanbau selbst so weit im Süden beeinträchtigt haben. Es wird bei den ganz frühen Sätzen allerdings ein reduzierter Knollenansatz festgestellt. Für die frühen Lieferungen nach Spanien – der Zeitraum März bis Ende April ist angepeilt – wird das aber als positiv gewertet, weil dort dickere Knollen gefragt sind. Am Ertrag könnte es aber am Ende etwas fehlen. Die ab Mitte Oktober gepflanzten Kartoffeln für unseren Markt, der das meiste von Mitte Mai bis Anfang Juli aufnimmt, setzten normal an. Mit entsprechenden ackerbaulichen Maßnahmen will man mehr Drillinge als im Vorjahr bereitstellen können. Die gehen auch als sogenannte Baby-Potatoes nach Großbritannien.

Den Kartoffelmarkt in Gänze durchleuchtet die Markt Woche Kartoffeln oder Markt aktuell Kartoffeln.




Beitrag von Christoph Hambloch
Marktexperte Kartoffeln

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

Zurück
Deutschland | Agrarrohstoffe | Index

Viehpreise drücken auf den AMI-Rohstoffindex im Mai

29.05.2026 (AMI) – Der AMI-Rohstoffindex sank im Mai 2026 leicht auf 125 Punkte. Festere Preise für Getreide, Raps und Milch konnten die schwächeren Notierungen für Schlachtvieh nicht vollständig ausgleichen.   Mehr

Deutschland | Agrarrohstoffe | Index

AMI-Rohstoffindex kann sich im April 2026 behaupten

29.04.2026 (AMI) – Der von der AMI ermittelte deutsche Agrarrohstoffindex stabilisierte sich im April 2026 und hielt sein Niveau. Stützend wirkten vor allem festere Preise bei Raps sowie stabile Entwicklungen am Schweinemarkt, während der Druck von der Milchseite nachließ. Belastend wirkten hingegen schwächere Rinder- und Brotgetreidepreise.   Mehr

Deutschland | Agrarrohstoffe | Index

AMI-Rohstoffindex kann sich im April 2026 behaupten

31.03.2026 (AMI) – Der von der AMI ermittelte deutsche Agrarrohstoffindex stabilisierte sich im April 2026 und hielt sein Niveau. Stützend wirkten vor allem festere Preise bei Raps sowie stabile Entwicklungen am Schweinemarkt, während der Druck von der Milchseite nachließ. Belastend wirkten hingegen schwächere Rinder- und Brotgetreidepreise.   Mehr

Deutschland | Agrarrohstoffe | Index

AMI-Rohstoffindex gibt im Februar weiter nach

02.03.2026 (AMI) – Der von der AMI ermittelte deutsche Agrarrohstoffindex gab im Februar 2026 weiter nach. Der Index sinkt damit den achten Monat in Folge. Belastend wirkten vor allem weiter rückläufige Erzeugerpreise bei Milch.   Mehr

Deutschland | Agrarrohstoffe | Index

AMI-Rohstoffindex setzt Abwärtstrend im Januar fort

31.01.2026 (AMI) – Der von der AMI ermittelte deutsche Agrarrohstoffindex gab im Januar 2026 weiter nach und sank von 130,6 auf 124,9 Punkte. Das entspricht einem Minus von 4,4 % gegenüber Dezember. Belastend wirkten vor allem rückläufige Erzeugerpreise bei Milch und Schweinen. Bei Getreide und Ölsaaten zeigte sich insgesamt ein gemischtes Bild: Brotweizen und Körnermais tendierten leicht fester, Futtergerste und Raps gaben nach.   Mehr

Deutschland | Agrarrohstoffe | Index

AMI-Rohstoffindex rutscht im Dezember weiter ab

19.12.2025 (AMI) – Der von der AMI ermittelte deutsche Agrarrohstoffindex gab im Dezember 2025 weiter nach. Sinkende Erzeugerpreise für Milch und Schweine belasteten den Index erneut.   Mehr