Europa | Getreide | Marktprognose

EU-Getreideernte 2026: Leichter Rückgang beim Weizen, Plus beim Mais

07.04.2026 (AMI) – Die EU-Kommission erwartet für 2026 eine etwas kleinere Getreideernte als im Vorjahr. Während die Weizenerzeugung aufgrund geringerer Erträge zurückgehen dürfte, zeichnet sich beim Mais ein Produktionsanstieg ab. Die weitere Entwicklung bleibt jedoch stark witterungsabhängig.

Die Getreideernte in der EU dürfte im Wirtschaftsjahr 2026/27 etwas kleiner ausfallen als im Vorjahr. In ihrer ersten Schätzung rechnet die EU-Kommission mit einer Gesamtproduktion von rund 278,1 Mio. t Getreide. Das entspricht einem Rückgang von 3,2 % gegenüber 2025, liegt aber weiterhin leicht über dem langjährigen Mittel von 276,4 Mio. t.

Den größten Anteil an der EU-Getreideerzeugung nimmt mit rund 45 % weiterhin Weichweizen ein. Die Produktion wird auf 125,9 Mio. t geschätzt, nach 134,2 Mio. t im Vorjahr. Die Anbaufläche bleibt mit 21,4 Mio. ha nahezu unverändert (-0,5 %), der Produktionsrückgang ist daher vor allem auf niedrigere Durchschnittserträge zurückzuführen. Diese dürften nach dem außergewöhnlich hohen Niveau des Vorjahres mit 62,9 dt/ha wieder etwas sinken und 59,2 dt/ha erreichen, damit aber über dem langjährigen Mittel von 58,7 dt/ha bleiben. Witterungsbedingt spielten dabei regional überdurchschnittliche Niederschläge im Spätwinter eine Rolle, die insbesondere in Teilen Frankreichs zu gesättigten Böden und zeitweiliger Staunässe führten. Auch wenn bislang keine nennenswerten Schäden bestätigt sind, könnten solche Bedingungen das Ertragspotenzial begrenzen. Frankreich bleibt mit erwarteten 32,7 (33,3) Mio. t größter Erzeuger, gefolgt von Deutschland mit 22,2 (22,8) Mio. t.

Im Gegensatz dazu dürfte die Maisernte 2026 größer ausfallen als im Vorjahr. Mit 61,4 Mio. t wird ein Plus von 5,3 % erwartet, womit die Produktion gleichzeitig knapp 3 % über dem Fünfjahresmittel liegen würde. Die Anbaufläche bleibt mit 8,4 Mio. ha nahezu stabil. Ausschlaggebend für den Produktionszuwachs sind höhere Ertragserwartungen: Mit durchschnittlich 73,3 dt/ha dürften die Erträge deutlich über dem Vorjahresniveau von 68,8 dt/ha liegen. Begünstigt wird dies durch die derzeit noch überwiegend ausreichende Bodenfeuchte in vielen Anbauregionen, die – sofern sich in den kommenden Wochen trockenere Witterungsphasen einstellen – das Risiko von Trocken- und Hitzestress im weiteren Vegetationsverlauf mindern könnte. Frankreich bleibt mit 13,9 (13,4) Mio. t größter Produzent, vor Polen mit 9,2 (10,3) Mio. t.

Bei Gerste dürfte die Erzeugung trotz einer deutlichen Ausweitung der Anbaufläche um mehr als 11 % auf 11,1 Mio. ha zurückgehen. Die EU-weite Erzeugung wird auf 55,2 Mio. t geschätzt und läge damit 1,7 % unter dem Vorjahresergebnis. Ursache sind deutlich geringere Ertragserwartungen. Nach 56,2 dt/ha im Jahr 2025 dürften die durchschnittlichen Erträge 2026 nur noch rund 49,8 dt/ha erreichen und damit sogar leicht unter dem langjährigen Mittel liegen. Die witterungsbedingten Belastungen durch hohe Niederschläge und zeitweise vernässte Böden in wichtigen Anbauregionen – etwa in Frankreich, Teilen Deutschlands oder Südwesteuropas – dürften hier stärker ins Gewicht fallen als bei anderen Kulturen. Frankreich bleibt mit 11,5 (11,9) Mio. t größter Gerstenerzeuger, knapp gefolgt von Deutschland mit unveränderten 11,3 Mio. t sowie Spanien mit 8,9 (9,1) Mio. t.

Insgesamt bleibt die weitere Ertragsentwicklung stark von der Witterung in den kommenden Wochen abhängig. Während die teils hohen Bodenfeuchtewerte in vielen Regionen eine gute Ausgangsbasis für den weiteren Vegetationsverlauf darstellen, könnten anhaltend nasse Bedingungen lokal problematisch bleiben. Gleichzeitig zeichnet sich in Teilen Nord- und Osteuropas ein Niederschlagsdefizit ab, sodass dort mit Fortschreiten der Vegetation weiterer Regen notwendig sein wird, um die bislang überwiegend positiven Bestandsentwicklungen abzusichern.

Aktuelle Marktlagen, Hintergrundwissen und detaillierte Analysen finden Sie unter Markt aktuell Getreide. Nutzen Sie die Bestellmöglichkeiten im Shop und sichern sich noch heute Ihren Zugang zum Expertenwissen!

Beitrag von Svenja Herrmann
Produktmanagerin Pflanzenbau

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

Zurück
Deutschland | Agrarrohstoffe | Index

AMI-Rohstoffindex stabilisiert sich im März

31.03.2026 (AMI) – Der von der AMI ermittelte deutsche Agrarrohstoffindex legte im März 2026 leicht zu und stieg von 122,0 auf 125,7 Punkte. Damit konnte sich der Index nach acht Rückgängen in Folge erstmals wieder behaupten. Ausschlaggebend waren vor allem festere Erzeugerpreise für Getreide, Raps und Schlachtschweine, während sich der Druck von der Milchseite allmählich abschwächte.   Mehr

Deutschland | Agrarrohstoffe | Index

AMI-Rohstoffindex gibt im Februar weiter nach

02.03.2026 (AMI) – Der von der AMI ermittelte deutsche Agrarrohstoffindex gab im Februar 2026 weiter nach. Der Index sinkt damit den achten Monat in Folge. Belastend wirkten vor allem weiter rückläufige Erzeugerpreise bei Milch.   Mehr

Deutschland | Agrarrohstoffe | Index

AMI-Rohstoffindex setzt Abwärtstrend im Januar fort

31.01.2026 (AMI) – Der von der AMI ermittelte deutsche Agrarrohstoffindex gab im Januar 2026 weiter nach und sank von 130,6 auf 124,9 Punkte. Das entspricht einem Minus von 4,4 % gegenüber Dezember. Belastend wirkten vor allem rückläufige Erzeugerpreise bei Milch und Schweinen. Bei Getreide und Ölsaaten zeigte sich insgesamt ein gemischtes Bild: Brotweizen und Körnermais tendierten leicht fester, Futtergerste und Raps gaben nach.   Mehr

Deutschland | Agrarrohstoffe | Index

AMI-Rohstoffindex rutscht im Dezember weiter ab

19.12.2025 (AMI) – Der von der AMI ermittelte deutsche Agrarrohstoffindex gab im Dezember 2025 weiter nach. Sinkende Erzeugerpreise für Milch und Schweine belasteten den Index erneut.   Mehr

Deutschland | Agrarrohstoffe | Index

AMI-Rohstoffindex rutscht im November weiter ab

27.11.2025 (AMI) – Der von der AMI ermittelte deutsche Agrarrohstoffindex gab im November 2025 weiter zurück. Sinkende Erzeugerpreise für Milch und Schweine belasteten den Index erneut.   Mehr

Deutschland | Agrarrohstoffe | Index

AMI-Rohstoffindex rutscht im Oktober weiter ab

03.11.2025 (AMI) – Der von der AMI ermittelte deutsche Agrarrohstoffindex gab im Oktober 2025 weiter deutlich nach. Vor allem rückläufige Erzeugerpreise für Milch und Schweine belasteten den Index.   Mehr