Welt | Getreide | Kursentwicklung für Weizen

Importnachfrage stützt Weizenkurse

18.06.2026 (AMI) – Nach den Verlusten der Vorwochen drehten die Weizenkurse in Paris und Chicago wieder ins Plus. Neue Ausschreibungen großer Importländer, technische Eindeckungen der Fonds und Wetterrisiken in Westeuropa sorgten für Unterstützung. Fundamental bleibt der Markt jedoch von einer reichlichen Versorgung geprägt.

An der Pariser Börse schloss der Fronttermin September 2026 am 17.06.2026 bei 203,50 EUR/t und damit 0,25 EUR/t über dem Niveau der Vorwoche. An der Pariser Börse rutschte der Frontkontrakt zu Wochenbeginn zeitweise wieder unter die Marke von 200 EUR/t, konnte sich im weiteren Verlauf aber erholen. Belastet wurde der Markt zunächst durch die Ankündigung einer möglichen Einigung zwischen den USA und Iran. Die Aussicht auf sinkende Rohölpreise reduzierte die geopolitische Risikoprämie an den Agrarmärkten und verstärkte die ohnehin vorhandenen Erwartungen einer umfangreichen Weizenernte auf der Nordhalbkugel.

Dann setzte jedoch eine Gegenbewegung ein. Unterstützung kam von einem umfangreichen algerischen Importkauf. Die staatliche Einkaufsagentur OAIC erwarb nach Händlerschätzungen zwischen 600.000 und 800.000 t Weizen. Der Kauf wird überwiegend mit Ware aus dem Schwarzmeerraum gedeckt werden, verdeutlicht aber, dass die zuletzt gesunkenen Preise wieder Nachfrage an den Markt zurückholen. Daneben sorgten Käufe aus Ägypten, Bangladesch und Vietnam für zusätzliche Aufmerksamkeit.

Am Exportmarkt bleibt die Konkurrenz dennoch hoch. Französischer Weizen ist preislich inzwischen wettbewerbsfähig. Händler taxierten französische FOB-Offerten für August zuletzt auf rund 232 bis 235 USD/t und damit leicht unter rumänischer Ware. Gleichzeitig kursierten Berichte über mögliche Verkäufe französischen Weizens nach China. Belastend bleibt jedoch, dass Frankreich aufgrund der politischen Spannungen weiterhin faktisch von den algerischen Ausschreibungen ausgeschlossen ist. Die EU-Weichweizenexporte erreichten bis Mitte Juni rund 22,4 Mio. t und lagen damit etwa 7 % über Vorjahr.

Zunehmend richtet sich der Blick zudem wieder auf die Wetterentwicklung. In Frankreich und Spanien wurden für die zweite Junihälfte Temperaturen von bis zu 40 °C erwartet. Während viele Weizenbestände bereits weit entwickelt sind und daher weniger empfindlich reagieren als Mais, beobachten Marktteilnehmer mögliche Auswirkungen auf Erträge und Qualitäten aufmerksam. Gleichzeitig bleiben die weltweiten Vorräte hoch. Frankreich dürfte die Saison 2025/26 laut FranceAgriMer mit Weizenbeständen von rund 3,5 Mio. t abschließen – dem höchsten Niveau seit mehr als zwei Jahrzehnten.

Chicago mit deutlicherem Plus als Paris

An der CBoT fiel die Gegenbewegung deutlicher aus. Der Juli-Kontrakt schloss am 17.06.2026 bei umgerechnet 194,22 EUR/t und damit 7,16 EUR/t über dem Niveau der Vorwoche. Auslöser war zunächst eine technische Erholung, nachdem der Juli-Kontrakt zuvor auf den niedrigsten Stand seit Mitte Februar gefallen war. Die Fonds halten weiterhin umfangreiche Netto-Short-Positionen, sodass bereits kleinere Kaufimpulse zu kräftigen Eindeckungen führen können.

Zusätzliche Unterstützung erhielt der Markt durch den großen algerischen Weizenkauf sowie die anhaltenden Wetterdiskussionen auf der Nordhalbkugel mit der Hitzewelle in Frankreich. In den USA verzögerten Niederschläge im Soft-Red-Winterweizengebiet die Erntearbeiten teilweise. Zusätzliche Unterstützung kam aus den weiterhin schwachen US-Bestandsbewertungen. Zwar verbesserte sich der Anteil der Winterweizenbestände in gutem bis sehr gutem Zustand zuletzt von 25 auf 27 %, blieb damit aber auf dem niedrigsten Niveau für diese Kalenderwoche seit 1989.

Fundamental hat sich die Lage dagegen kaum verändert. Die USDA-Schätzung vom Juni bestätigte zwar eine nochmals kleinere US-Weizenernte, gleichzeitig wurden die globalen Endbestände leicht nach oben korrigiert. Die weltweite Versorgung bleibt damit komfortabel. Hinzu kommen weiterhin günstige Ernteaussichten im Schwarzmeerraum. In der Ukraine rechnen Marktbeobachter mittlerweile mit einer Weizenernte von 23,5 bis 24 Mio. t und damit leicht mehr als im Vorjahr.

Die jüngste Erholung an den Terminmärkten ist daher bislang vor allem als technische Gegenbewegung nach dem vorherigen Preisrückgang zu bewerten. Für die weitere Entwicklung bleiben die Ernteergebnisse in Europa, Russland und der Ukraine sowie die Nachfrage der großen Importländer entscheidend. Solange keine größeren Wetterprobleme auftreten, dürfte die umfangreiche globale Versorgung das Aufwärtspotenzial begrenzen.

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Beitrag von Leif Erik Rehder
Bereichsleiter Pflanzenbau

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

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