Welt | Getreide | Kursentwicklung für Mais

Maiskurse in Chicago und Paris driften auseinander

25.06.2026 (AMI) – Die Maismärkte entwickeln sich derzeit unterschiedlich: Während in Chicago günstige US-Ernteaussichten und schwache Rohölpreise belasten, sorgen Hitzesorgen in Westeuropa für kräftige Kursaufschläge in Paris.

In Chicago standen die Maisnotierungen in der Berichtswoche weiter unter Druck. Der Juli-Kontrakt schloss am 24.06.2026 bei 141,30 EUR/t und damit 1,70 EUR/t unter dem Niveau der Vorwoche. Belastend wirkten vor allem die deutlich gesunkenen Rohölpreise sowie der festere US-Dollar. Ein niedrigerer Ölpreis verschlechtert die Perspektiven für die Bioethanolproduktion, während ein stärkerer US-Dollar die Wettbewerbsfähigkeit US-amerikanischer Maisexporte mindert.

Fundamental bleibt die Versorgungslage günstig. Nach Angaben von USDA/NASS waren bis zum Sonntag 97 % der US-Maisbestände aufgelaufen und damit im Rahmen des Vorjahres sowie des Fünfjahresmittels. Die Bonitierung verharrte bei 68 % gut bis sehr gut, zwei Prozentpunkte unter Vorjahr; der Anteil schwacher Bestände blieb mit 6 % unverändert niedrig. Reichliche Niederschläge haben die Trockenheit im Corn Belt reduziert und die Bodenfeuchte hoch gehalten. Gleichzeitig nehmen die regionalen Risiken zu: In Illinois verschlechterte sich die Bewertung nach Wind- und Hagelschäden deutlich. Insgesamt reichen Übernässung, lokale Unwetterschäden und die bevorstehende Hitze bislang aber nicht aus, um die günstigen Ertragserwartungen grundsätzlich infrage zu stellen.

Der Fokus in den USA richtet sich nun auf die entscheidende Wachstumsphase im Juli. Solange die Witterungsbedingungen im US-Corn Belt überwiegend günstig bleiben und keine größeren Wetterrisiken auftreten, dürfte die Erwartung einer umfangreichen US-Maisernte das Aufwärtspotenzial begrenzen.

Paris: Wetterprämie treibt Maiskurse deutlich nach oben

Ganz anders verlief die Entwicklung an der Pariser Börse. Der Fronttermin August 2026 schloss am 24.06.2026 bei 227,50 EUR/t und lag damit 15,25 EUR/t über dem Niveau der Vorwoche. Damit lösten sich die Pariser Maiskurse deutlich von den schwächeren Vorgaben aus Chicago. Auslöser waren vor allem zunehmende Sorgen vor Hitzestress in Westeuropa.

Im Mittelpunkt steht dabei die Wetterentwicklung in Frankreich und Spanien. Für Teile Westeuropas wurden Temperaturen von bis zu 40 °C erwartet. Mais reagiert in der aktuellen Entwicklungsphase empfindlicher auf Hitze als Weizen, da die Bestände noch vor der entscheidenden Blüte- und Kolbenbildungsphase stehen. Kommt Trockenstress hinzu, kann dies die Ertragserwartungen rasch belasten. Entsprechend baute der Markt in Paris eine deutliche Wetterprämie ein.

Hinzu kommt, dass die EU-Maisfläche 2026 kleiner ausfallen dürfte. In Frankreich wurde die Körnermaisfläche zuletzt deutlich nach unten korrigiert. Zwar wird die EU-Maisproduktion 2026/27 gegenüber dem schwachen Vorjahr dennoch höher erwartet, weil die Erträge bislang besser eingeschätzt werden. Die kleinere Fläche verringert aber den Puffer. Trifft Hitze in der sensiblen Entwicklungsphase auf die Bestände, können Ertragsverluste die erwartete Produktionssteigerung rasch schmälern. Das erklärt, warum Paris deutlich stärker reagierte als Chicago.

Gleichzeitig bleibt die Versorgungslage in der EU angespannt genug, um Wetterrisiken stärker einzupreisen. Zwar wird 2026/27 mit einer höheren EU-Maisproduktion gegenüber dem Vorjahr gerechnet, doch die Importabhängigkeit bleibt ein Thema. Käufer in Südeuropa, insbesondere Spanien und Italien, beobachten die Entwicklung in der Ukraine, in Südosteuropa und in Frankreich entsprechend genau. Der starke Kursanstieg in Paris ist daher vor allem eine europäische Wetter- und Flächenreaktion.

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Beitrag von Leif Erik Rehder
Bereichsleiter Pflanzenbau

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

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