Welt | Getreide | Kursentwicklung für Mais

Wetter und geopolitische Risiken treiben Maiskurse

23.07.2026 (AMI) – Hitze und Trockenheit belasten die Ernteaussichten in Europa und sorgen für Unsicherheit am Weltmarkt. Unterstützung kommt zudem von steigenden Rohölpreisen und anhaltenden Problemen in der Schwarzmeerregion.

Die Maiskurse in Chicago entwickelten sich zuletzt deutlich fester. Der Septembervertrag schloss am 22.07.2026 bei 159,44 EUR/t und damit um 4,98 EUR/t höher als in der Vorwoche. Kurstreibende Faktoren sind vor allem die Wetterunsicherheiten und geopolitische Spannungen.

Nach milderen Bedingungen in der vergangenen Woche fallen die Wetterprognosen für die kommende Woche deutlich trockener und heißer aus, was die Maisbestände belasten könnte. Die Kursentwicklung wird dabei vor allem von den erwarteten Wetterrisiken während der sensiblen Bestäubungsphase bestimmt, während sich die aktuellen Bestandsbewertungen bislang noch vergleichsweise stabil zeigen. Die Bestandsbewertung veränderte sich im Zuge der milderen Bedingungen nur geringfügig, mit 67 % der Flächen in einem „guten bis exzellenten“ Zustand und nur 9 % in einem schlechten bis sehr schlechten Zustand.

Unterstützung für die Kurse kam auch aus Europa, wo die Ernteaussichten vom IGC um etwa 4 Mio. t reduziert wurden. Auch die Entwicklungen in der Schwarzmeerregion wirkten weiterhin preisstützend. Die anhaltenden Spannungen erhöhen die Unsicherheit über die Exportfähigkeit der Region und stützen damit die Risikoprämie am Markt. Das könnte die Nachfrage nach US-Mais am Weltmarkt erhöhen.

Die weiter steigenden Rohölpreise stützen auch die Maiskurse an der CBOT, da Mais in den USA ein wichtiger Rohstoff für die Ethanol- und Biokraftstoffproduktion ist. Höhere Energiepreise verbessern in der Regel die Wirtschaftlichkeit von Ethanol und stärken damit die Nachfrage nach Mais. Unterstützung erhielt der Ölmarkt zuletzt unter anderem durch geopolitische Spannungen im Nahen Osten und Sorgen über mögliche Beeinträchtigungen wichtiger Transportwege.

Den Kursanstiegen standen Gewinnmitnahmen von Händlern und Fonds gegenüber, die die deutlichen Aufschläge der vergangenen Wochen zur Realisierung von Gewinnen nutzten. Das sorgte zeitweise für zusätzlichen Verkaufsdruck am Terminmarkt und begrenzte den weiteren Preisanstieg. Belastend wirkten zudem die unter den Markterwartungen gebliebenen US-Maisexporte, die auf eine schwächere Nachfrage hindeuteten.

Südamerika: Erntefortschritte und Nachfrageimpulse stützen Maismarkt

In Brasilien ist die Ernte der ersten Maisernte mit 98 % der Flächen nahezu abgeschlossen. Auch die zweite Ernte schreitet zügig voran. Mit einem Erntefortschritt von 50 % liegt sie zwar noch rund 7 Prozentpunkte hinter dem Fünfjahresmittel zurück, holt aufgrund zuletzt verbesserter Bedingungen jedoch auf. Die Vegetationsbedingungen werden überwiegend als günstig bewertet, auch wenn es regional weiterhin zu Einschränkungen durch Niederschlagsdefizite kommt.

Die Maisernte in Argentinien hat Ende der vergangenen Woche etwa 62 % der geeigneten Fläche erreicht. Das sind in etwa 6 % mehr als in der Woche zuvor. Die Erntearbeiten werden weiterhin von zu feuchten Witterungsbedingungen verzögert, weshalb der Erntefortschritt weiterhin rund 8 Prozentpunkte hinter dem Vorjahr zurückliegt. Trotz der Verzögerung hält man an der Prognose von 64 Mio. t fest. Das entspricht einem Anstieg von 30,6 % gegenüber der Vorsaison.

Paris: Hitzewelle in Europa treibt Maiskurse weiter nach oben

Die Maiskurse in Paris setzten ihren deutlichen Aufwärtstrend fort. Der August-Kontrakt schloss am 22.07.2026 bei 259 EUR/t und lag damit 13,75 EUR/t über dem Vorwochenniveau. Auch der November-Termin befestigte sich kräftig und erreichte mit 259,75 EUR/t ein Plus von 13,50 EUR/t zur Vorwoche.

Die europäischen Ernteprognosen haben sich zuletzt weiter verschlechtert. Sowohl der Internationale Getreiderat (IGC) als auch Coceral reduzierten ihre Prognosen infolge der anhaltenden Hitzewellen in weiten Teilen Europas auf 53,8 Mio. t (IGC) und 52,7 Mio. t (Coceral). Die Kurse erhielten dadurch zusätzlichen Auftrieb, da die Wetterrisiken während der für den Mais wichtigen Bestäubungsphase noch nicht abgeschlossen sind. Besonders kritisch bleibt die Lage in Frankreich, wo die Maisernte mit etwa 9,0 Mio. t auf den niedrigsten Stand seit vielen Jahren fallen könnte. Belastet werden die Aussichten sowohl durch geringere Anbauflächen als auch durch Ertragseinbußen während der Bestäubungsphase. Auch in Spanien, der Slowakei und Ungarn bestehen Sorgen wegen Trockenheit, während für Rumänien und Bulgarien weiterhin vergleichsweise stabile Ernten erwartet werden.

In der Ukraine haben sich die Bedingungen nach einem zunächst vielversprechenden Saisonstart zuletzt verschlechtert. Anhaltend heißes und trockenes Wetter belastet die Bodenfeuchte und erhöht insbesondere bei spät ausgesäten Beständen die Ertragsrisiken. Trotz der Wetterprobleme hält der IGC bislang an seiner Prognose von 32,0 Mio. t fest, was einem Anstieg von 5 % zum Vorjahr entsprechen würde.

Kernaussage

Die internationalen Maismärkte setzten ihren Aufwärtstrend zuletzt fort. Ausschlaggebend waren vor allem zunehmende Wetterrisiken in Europa und den USA sowie anhaltende geopolitische Spannungen. Im US-Corn Belt rückten erneut heiße und trockene Wetterprognosen während der sensiblen Bestäubungsphase in den Fokus, während sich die Ernteaussichten in Europa infolge der Hitzewellen weiter deutlich verschlechterten. Besonders kritisch bleibt die Lage in Frankreich, wo eine der schwächsten Maisernten seit Jahrzehnten erwartet wird. Unterstützung erhielten die Kurse zudem von steigenden Rohölnotierungen, die die Nachfrageperspektiven für Ethanolmais verbessern. Preisbegrenzend wirkten lediglich Gewinnmitnahmen und schwächere US-Exportzahlen.

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Beitrag von Calvin Fleischer
Junior Produktmanager Pflanzenbau

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