Welt | Getreide | Kursentwicklung für Weizen

Weizenkurse korrigieren deutlich

31.07.2026 (AMI) – Nach den jüngsten Kursanstiegen geraten die Weizennotierungen in Paris und Chicago deutlich unter Druck. Eine hohe globale Versorgung, Fortschritte bei der Ernte und nachlassende Risikoprämien im Schwarzmeerraum lasten auf den Kursen.

Nach drei Wochen mit deutlichen Kursaufschlägen haben die Weizennotierungen an der Pariser Euronext zuletzt spürbar nachgegeben. Der meistgehandelte Fronttermin September 2026 schloss am 29.07.2026 bei 226,50 EUR/t und lag damit 17,75 EUR/t unter dem Vorwochenniveau. Gleichzeitig fiel der Kontrakt auf den tiefsten Stand seit zwei Wochen zurück. Auch die späteren Termine der Ernte 2026 standen unter Druck und verloren im Wochenvergleich bis zu 14,75 EUR/t. Der Kontrakt der Ernte 2027 gab ebenfalls deutlich nach und notierte zuletzt bei 227,25 EUR/t, ein Minus von 10,25 EUR/t zur Vorwoche. Damit korrigierte der Markt einen Teil der zuvor kräftigen Risikoaufschläge.

Belastet wurden die Kurse vor allem durch die Einschätzung vieler Marktteilnehmer, dass die Risiken für die Schwarzmeerexporte inzwischen weitgehend eingepreist sind. Zwar dauern die gegenseitigen Angriffe Russlands und der Ukraine auf Häfen, Schiffe und Infrastruktur an, größere Schäden an den zentralen russischen Exportterminals – insbesondere in Noworossijsk – blieben bislang jedoch aus. Dies reduzierte die zuvor aufgebauten Risikoaufschläge. Zusätzlich drückten fallende Weizenkurse in Chicago sowie zeitweise schwächere Rohölnotierungen, die die Stimmung an den Rohstoffmärkten insgesamt belasteten, auf die Pariser Weizenkurse. Marktteilnehmer verwiesen zudem auf den schnellen Fortschritt der europäischen Weizenernte unter überwiegend günstigen Erntebedingungen. Zusätzlichen Druck auf die europäischen Weizenkurse übte die Entscheidung Marokkos aus, den Importzoll auf Weichweizen bis zum 31. August zu verlängern. Das nordafrikanische Land hatte bereits Anfang Juni einen Zollsatz von 170 % eingeführt, um die Vermarktung der heimischen Ernte zu schützen und Importe vorübergehend auszubremsen. Für den europäischen Markt ist dies von besonderer Bedeutung, da Marokko zu den wichtigsten Absatzmärkten für französischen Weizen zählt. Die verlängerten Handelsbarrieren verschlechtern damit kurzfristig die Exportaussichten der EU und verstärken die Zurückhaltung am Markt. Händler berichten zudem, dass viele Importeure angesichts der hohen europäischen Preisniveaus ohnehin abwartend agieren und zunächst die weitere Entwicklung der Schwarzmeerexporte beobachten.

Eine stärkere Korrektur nach unten wurde jedoch weiterhin durch die anhaltenden Unsicherheiten rund um die Schwarzmeerlogistik begrenzt. Russland beschränkte zuletzt die Schifffahrt im Asowschen Meer, nachdem ukrainische Drohnenangriffe russische Getreideschiffe getroffen hatten. Zudem schränkten mehrere russische Exportterminals die LKW-Anlieferungen wegen erhöhter Sicherheitsrisiken ein. Gleichzeitig bemüht sich die Ukraine darum, Exportströme über rumänische Häfen, die Donau oder polnische Ostseehäfen umzuleiten. Die Sorge vor möglichen Verzögerungen oder Ausfällen bei russischen und ukrainischen Lieferungen bleibt damit dennoch bestehen. Unterstützung erhielt der Markt außerdem durch sinkende Pegelstände auf dem Rhein, die den europäischen Binnenlogistikverkehr erschweren. Niedrige Wasserstände begrenzen regional die Beladung von Schiffen, erhöhen die Transportkosten und könnten den Warenfluss auf dem Binnenmarkt verlangsamen.

US-Winterweizenernte verläuft weiterhin flott

An der Börse in Chicago geht es für Weizen ebenfalls deutlich abwärts. Der Fronttermin verlor auf Wochensicht umgerechnet knapp 14 EUR/t und schloss bei 213,32 EUR/t. Auch die späteren Kontrakte gaben kräftig nach und verloren bis zu 14 EUR/t, während der erste Termin der Ernte 2027 um rund 13 EUR/t auf 225,99 EUR/t fiel.

Belastet wurden die Kurse vor allem durch die saisonal bedingt weltweit umfangreiche Versorgungslage sowie den guten Fortschritt der US-Ernte. Das USDA meldete zuletzt, dass bereits 81 % der US-Winterweizenernte eingebracht wurden, gegenüber 79 % zum Vorjahreszeitpunkt und dem langjährigen Mittel von ebenfalls 79 %. Gleichzeitig blieb die Bewertung der US-Sommerweizenbestände trotz der jüngsten Hitzeperiode in den nördlichen Plains stabil. Mit 53 % „gut bis ausgezeichnet“ lag der Anteil sogar über dem Fünfjahresdurchschnitt und über den Erwartungen der Marktakteure, die mit einer Verschlechterung gerechnet hatten. Zusätzlich sorgten überdurchschnittliche Ertragsschätzungen bei der Weizentour in North Dakota für Druck auf die Notierungen. Marktteilnehmer verwiesen zudem darauf, dass die Risiken für die Schwarzmeerexporte inzwischen zu einem großen Teil eingepreist seien und Gewinnmitnahmen nach den zuvor erreichten Zweijahreshochs einsetzten.

Eine stärkere Abwärtsbewegung wurde wie auch bei den Pariser Weizenkursen durch die anhaltenden Spannungen im Schwarzmeerraum begrenzt. Zusätzliche Unterstützung erhielt der Markt durch die weiterhin robuste US-Exportnachfrage, die den insgesamt belastenden Fundamentaldaten teilweise entgegenwirkte. In der Woche bis zum 23.07.26 wurden rund 394.785 t Weizen verschifft, in der Vorwoche lagen die Verschiffungen hingegen bei 229.761 t. Die größten Mengen gingen hierbei mit 58.341 t nach Bangladesch, gefolgt von Japan mit 56.444 t und Mexiko mit 54.407 t.

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Beitrag von Svenja Herrmann
Produktmanagerin Pflanzenbau

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