Europa | Soja | Marktprognose

WASDE-Vorschau: Vorsichtige Anpassungen erwartet

14.11.2025 (AMI) – Vor dem WASDE bleibt die Unsicherheit groß: China kauft weiter überwiegend in Brasilien, die US-Exportinspektionen liegen klar unter Vorjahr. Der Markt rechnet mit vorsichtigen, aber richtungsweisenden Anpassungen – und mittelfristig steigenden US-Beständen.

Vor dem WASDE-Bericht am Freitag stehen die Sojabohnen in den USA klar im Fokus. Durch den mehrwöchigen Regierungs-Shutdown konnte das USDA über einen langen Zeitraum keine wöchentlichen Exportzahlen melden. Diese Verkaufsdaten sind normalerweise die wichtigste Informationsquelle für das laufende Exporttempo. Da das USDA den Rückstand erst schrittweise aufarbeitet, fehlt dem Markt weiterhin eine aktuelle und vollständige Übersicht über abgeschlossene Exportgeschäfte. In der Zwischenzeit orientieren sich Händler fast vollständig an den Exportinspektionen, also jenen Mengen, die bereits verladen und verschifft wurden. Diese liegen klar unter dem Vorjahresniveau und verstärken die Erwartung, dass die USDA-Exportschätzungen angepasst werden müssen.

Der WASDE erscheint am Freitag um 18:00 Uhr MEZ.

Der Internationale Getreiderat (IGC) verwies zuletzt auf eine insgesamt gut versorgte globale Marktlage. Unter Marktteilnehmern werden vor allem die USDA-Annahmen zu Ernte, Verbrauch und Exporten in den USA als ambitioniert eingeschätzt. Für den November-Bericht erwarten viele daher leichte Abwärtsrevisionen bei Ertrag und Produktion sowie gezielte Anpassungen beim inländischen Verbrauch, etwa über den Crush. Das USDA nimmt Änderungen traditionell schrittweise vor, um stärkere Prognosesprünge zu vermeiden. Vor allem auf der Exportseite dürfte die Behörde im November vorsichtig agieren, da die Export-Sales weiterhin unvollständig sind. Größere Korrekturen werden erst in späteren WASDE-Ausgaben erwartet. Mittelfristig würde eine schrittweise Reduktion der Exporte steigende US-Schlussbestände begünstigen.

Chicago: Kurse steigen vor WASDE – trotz schwacher Exportlage

Die jüngsten Preisbewegungen spiegeln die gespannte Erwartungslage wider. Der meistgehandelte Januarkontrakt an der CBOT erreichte am Donnerstag den höchsten Stand seit knapp 17 Monaten. Trotz schwacher Exportdynamik steht der Markt damit nicht unter Druck. Ein Grund: Viele Belastungsfaktoren – insbesondere der Verlust von Marktanteilen an Brasilien – waren bereits eingepreist. Gleichzeitig stützt eine solide Crush-Nachfrage in den USA, während Positionierungen vor dem ersten großen WASDE-Update seit Mitte September für zusätzliche Unterstützung sorgen. Der Markt spekuliert darauf, dass das USDA den Ertrag und Produktion für die USA leicht nach unten nimmt und die Exportzahlen erst später deutlicher reduziert.

China kauft weiter überwiegend in Brasilien

Ein zentrales Element bleibt die Nachfrageentwicklung in China. Die jüngsten Daten belegen, dass sich China frühzeitig umfangreich eingedeckt hat und seine Importfokussierung klar auf Brasilien ausgerichtet bleibt. Hohe Lagerbestände und schwache Crush-Margen dämpfen zusätzlich die Nachfrage. Politische Signale hatten zuletzt kurzzeitig Aufmerksamkeit erzeugt, blieben aber ohne spürbare Bestellungen am US-Markt. Damit fehlt weiterhin der wichtigste Impuls für das US-Exportprogramm. Auch Händler verweisen darauf, dass die nun schrittweise veröffentlichten Export-Sales aus den Shutdown-Wochen lediglich moderate Mengen zeigen.

USA verlieren im Wettbewerb Boden

Parallel zur schwachen Ausfuhrdynamik hat sich die Preisrelation zwischen den USA und Brasilien weiter angenähert. Die aktuellen IGC-FOB-Notierungen liegen sowohl im US Gulf als auch in Brasilien (Paranaguá) bei rund 454 US-$/t. Der frühere Preisvorteil der USA ist damit nahezu neutralisiert. Für Drittstaaten entfällt ein wesentlicher Anreiz, US-Ware zu bevorzugen – Brasilien bleibt vor dem Start der neuen Ernte preislich und logistisch Hauptanbieter am Weltmarkt.

Beitrag von Leif Erik Rehder
Bereichsleiter Pflanzenbau
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