Deutschland | Getreide | Marktversorgung

Ernte gut – Preise schlecht

30.12.2025 (AMI) – Große globale Ernten bei gleichzeitig schleppendem Absatz belasteten 2024/25 und zu Beginn des Wirtschaftsjahres 2025/26 die Getreidepreise in Deutschland. Erst im Oktober/November 25 entwickelte Nachfrage Preiswirkung, die bislang nur am Futtergetreidemarkt weiterhin spürbar ist. Der Brotgetreidemarkt steht unter Druck starker Exportkonkurrenz und – wie im Beispiel Braugerste – überreichlichem Angebot.

Nach zwei Jahren mit wenig zufriedenstellenden Ernten wurde 2025 entgegen den witterungsbedingt pessimistischen Annahmen eine überdurchschnittliche Getreideernte eingefahren. Nur das Maisergebnis fiel aufgrund der kleineren Fläche und der geringeren Erträge kleiner aus als im Vorjahr. Da nicht nur in Deutschland, sondern auch in der EU zumeist umfangreichere Ernten eingefahren wurden und auch am Weltmarkt Rekordergebnisse prognostiziert werden, fielen die Erzeugerpreise kräftig.

Ein Drittel mehr Braugerste und Hafer, 28 % mehr Winterweizen

Die Halmgetreideernte erreichte 2025 nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes 40,55 Mio. t und überragte damit das Vorjahresergebnis um knapp 20 %. Das waren immerhin 8,3 % mehr als im Durchschnitt. Die Körnermaisernte erreichte 2025 4,6 Mio. t und verfehlte so das Vorjahresergebnis um 8,3 %, das Mittel wurde dennoch um 4,6 % überstiegen. An Weichweizen wurden knapp 23 Mio. t gedroschen, 4,75 Mio. t, 26 %, mehr als im Vorjahr. Der Anteil Futterweizen sank auf das übliche Maß zurück, der durchschnittliche Rohproteingehalt erhöhte sich um 0,6 auf 12,2 %, wobei NRW mit 10,4 % das Schlusslicht bildet, in den östlichen Bundesländern 13 % und mehr ermittelt wurden. Der Regen zur Ernte drückte den Qualitätsparameter Fallzahl um gut ein Achtel auf 302 (Vorjahr 356) Sekunden. Gut 20 % der diesjährigen Weizenernte erbringt nicht die vom Handel geforderte Mindestfallzahl. Insbesondere in Bayern, Brandenburg und Schleswig-Holstein hat die Qualität gelitten. Mit einem großen Plus gegenüber Vorjahr überraschten erneut die Ernte von Braugerste, Hafer und Hartweizen. Der Drusch von Sommergerste fiel mit 1,83 Mio. t rund 2 % kleiner aus als 2024, aber der Braugerstenanteil soll 1,73 Mio. t erreicht haben, 34 % mehr als im Vorjahr. Die Haferernte überschritt mit 938.200 t das Vorjahresergebnis um 35 %. Die Hartweizenernte fiel mit 340.000 t gut 19 % umfangreicher aus.

Getreidepreise im November 27 % unter Durchschnitt

Im Februar 2025 schossen sich die Getreidepreise frei Erfasserlager auf die anstehende Ernte 25 ein. Die zeitweise ungünstigen Vegetationsbedingungen in Europa und Übersee führten kurzzeitig zu Kurs- und Preisbefestigung, die an der grundsätzlichen Schwäche aber nichts änderten. Auch geopolitische Impulse konnten keine Trendwende erreichen und der Krieg in der Ukraine schafft es 2025 kaum noch, Kurswirkung zu erzielen. Weitaus einflussreicher sind die russischen Kampfpreise im Getreideexport. Diese limitierten bereits 2024/25 die Exportchancen für knappes EU-Getreide. Und auch 2025/26 fokussieren sich die traditionellen Importländer am Weltmarkt auf russische Offerten. Nur sehr kurz, zu Beginn des Wirtschaftsjahres, als es nicht genug Wettbewerber am Weltmarkt gab, konnten EU-Partien abgesetzt werden. Aber die, Ende November 25, niedrigen Exportvolumina zeigen zu den Vorjahren schon wieder Defizite. Nur im Oktober und November 25 konnten vorjahresüberschreitende Mengen an Weichweizen exportiert werden. Die EU-Weizenexportpreise liegen entgegen dem Vorjahr eng an den Schwarzmeerpreisen und der Wechselkurs Euro/Dollar war zeitweise günstig für EU-Partien. Im Vergleich zum Vorjahr werden am 26.11.25 für deutscher Exportweizen mit 12,5 RP 228 USD/t fob Ostsee aufgerufenen, 17 USD/t weniger als zum Vorjahreszeitpunkt. Und diese Entwicklung lässt die Qualitätsprämien für Weizen deutlich sinken. Brotweizen wird Ende November 25 nur noch 3,70 EUR/t höher bewertet als Futterweizen, für regional teils schon mehr gezahlt wird. Auch der Absturz der Braugerstenpreise, aufgrund des überreichlichen Angebotes bei gleichzeitig gesunkener Nachfrage, und der gleichzeitig steigende Futtergerstenpreis, aufgrund der lebhaften Nachfrage, auch für den Export, haben die Differenz auf gut 3 EUR/t schrumpfen lassen. Diese Konstellation gab es zuletzt 2021 kurz vor der Ernte. Mais konnte 2025 trotz der großen Ernte aufgrund der unsicheren Aussichten auf die Ernte 2025 sehr lange sein Preisniveau von 200 EUR/t und damit das Vorjahresniveau halten. Der Einbruch erfolgte dann nach der Ernte unter Druck überreichlicher Weltmarktversorgungsprognosen. Aber die änderten nichts daran, dass deutscher Mais unzureichend verfügbar ist. Vom Erntetief im September 25 von 167 EUR/t frei Erfasserlager wurden bis Ende November 25 immerhin 10 EUR/t dazugewonnen. Das ist dann aber immer noch 20 % weniger als im langjährigen Mittel.

Ausblick 2026

Das Angebot an Inlandsgetreide fällt deutlich umfangreicher aus als im Vorjahr, auch wenn die Erzeuger preisbedingt stockender verkaufen. Und das ist kein alleiniges, deutsches Problem: In allen Weizenexportländern spekulieren Landwirte auf steigende Preise in der zweiten Wirtschaftsjahreshälfte. Sollte das eintreffen, wird die Verkaufsmenge steigen, die dann gleichzeitig wieder zu Preisdruck führen könnte. Die Nachfrage am Inlandsmarkt nach Braugerste wird deutlich zurückgehen, die nach Getreide zur Mischfutterproduktion leicht steigen, aber es wird zu Verschiebungen bei den einzelnen Getreidearten kommen. Die Vermahlung dürfte auf dem gesenkten Vorjahresniveau bleiben. Weizenexport wird gedrosselt Fahrt aufnehmen, aber die Konkurrenz, auch aus Argentinien und Australien, ist 2025/26 erneut groß.

Die AMI-Marktexperten werden auch im Jahr 2026 den Getreide- und Futtermittelmarkt für Sie im Blick behalten. Über kurzfristige Tendenzen und Preisentwicklungen informiert Sie der Online-Dienst AMI Markt aktuell Getreide. Hintergrundberichte sowie Analysen bietet die AMI Marktwoche Getreide. Nähere Informationen sowie die Bestellmöglichkeit finden Sie in unserem Shop.

Beitrag von Wienke von Schenck
Marktexpertin Pflanzenbau

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

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