Weniger Kartoffelanbau als erst geschätzt
Wie mit dem Bekanntwerden erster Daten aus den Auswertungen der Flächenbeihilfeanträge zu erwarten war, ist der Kartoffelanbau in Deutschland stärker geschrumpft als zunächst geschätzt. Das zeigt das vorläufige Ergebnis der Bodennutzungshaupterhebung, das vergangene Woche veröffentlicht wurde. Demnach verbleiben von vormals 301.800 ha voraussichtlich nur noch 268.000 ha und nicht 280.000 ha, wie noch Anfang Juni angenommen worden war.
In allen großen Anbauregionen schrumpfte das Kartoffelareal zweistellig; lediglich Mecklenburg-Vorpommern bleibt knapp darunter. Ein Erklärungsansatz könnte in den unterschiedlichen Anbauschwerpunkten der Bundesländer liegen. So gibt es im Nordosten viele Pflanz- und Stärkekartoffeln, deren Flächen teilweise sogar ausgeweitet wurden. Auch dort, wo Speisefrühkartoffeln angebaut werden, ist ein vergleichsweise geringerer Flächenrückgang zu verzeichnen, was beispielsweise auf Baden-Württemberg zutrifft. In Rheinland-Pfalz fällt der Rückgang dagegen besonders hoch aus, da der Anbau von frühem Verarbeitungsrohstoff weitgehend weggefallen ist, was die Entwicklung bei den Speisefrühkartoffeln überlagert. Generell gibt es in dieser Saison vor allem weniger Pommes-frites-Kartoffeln und etwas weniger Speisekartoffeln.
Für die Bewertung möglicher Mindererträge infolge von Hitze und Dürre ist zudem relevant, dass sich der Kartoffelanbau langfristig weiter nach Norden verlagert hat. So gibt es in Niedersachsen mit 125.700 ha weiterhin mehr Kartoffelfläche als jemals vor 2024, und in Schleswig-Holstein ist der Anbau sogar größer als 2024. Auch Nordrhein-Westfalen behauptet sich mit dem beregneten Niederrhein weiterhin auf einem vergleichsweise hohen Niveau. In Bayern standen dagegen schon lange nicht mehr so wenige Kartoffeln wie in diesem Jahr, und auch in Sachsen-Anhalt gab es über viele Jahre größere Kartoffelflächen als 2026.
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Christoph Hambloch
Marktanalyst Kartoffeln
Tel. (0228) 33805-352
Autor von Fachbeiträgen und Produktstudien, langjährige intensive Kontakte zu nationalen und internationalen Unternehmen der Kartoffelbranche. Mitglied von Fachgremien und Institutionen im Bereich Kartoffelwirtschaft.
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