Kleine Kartoffelernte stoppt Preisrückgang
Das Wetter ist zuletzt wechselhafter geworden. Der Dürre- und Hitzesommer scheint zu Ende zu gehen. Jetzt scheinen sich aber auch die Auswirkungen am Speisekartoffelmarkt zu manifestieren. Eigentlich ist die Zeit gekommen, in der überall in Deutschland vermarktungsfähige Kartoffeln herangereift sind, die nun auf durchfeuchteten Böden auch geerntet werden können. In „normalen“ Jahren erzeugt das Angebots- und Preisdruck. Der war bis vergangene Woche auch noch häufig ein Thema. Womöglich findet allerdings Ende August eine Kehrtwende am Markt statt.
Angesichts des extremen Ertragsgefälles von Nord nach Süd entwickelt sich ein so noch nie dagewesener Warenstrom. Vom großen Lagerhalter außerhalb der Urproduktion bis zum kleineren Direktvermarkter suchen viele Marktbeteiligte im Süden derzeit Kartoffeln im Norden. Womöglich hat das dazu geführt, dass der Preisrückgang nicht mehr den vorherigen Erwartungen entspricht.
Zudem trägt auch die Nachfrage der Konsumenten ihren Teil zur Marktstabilisierung bei. Trotz Hitze lief der Absatz schon im Juli nicht schlecht, im August gab es dann Kartoffelkonsum-freundlicheres Wetter und inzwischen laufen im LEH auch schon wieder mehr Aktionen an, bis hin zu Bevorratungsaktionen mit größeren Packmaßen in den kommenden Wochen. Nachfrage erreicht die Versandregionen auch aus dem Ausland und es ist keineswegs auszuschließen, dass sektorübergreifend Kartoffeln gesucht werden – Doppelnutzungssorten wären prädestiniert dafür.
Weitere bullische Impulse erhalten die Märkte durch die zunehmende Anzahl an Ergebnissen aus Proberodungen und Ernteschätzungen.
AMI-Ernteschätzung
Die Kartoffelernte fußt 2026 in Deutschland auf einem deutlich reduzierten Kartoffelareal von vorläufigen rund 268.000 ha. Gegenüber dem Vorjahr fehlen etwa 34.000 ha. Die entfallen vor allem auf Rohstoff für die Ernährungsindustrie aber auch etwas auf Speise- und Stärkekartoffeln – jedenfalls in der Summe betrachtet, es gibt regionale Ausnahmen.
2025 gab es in Deutschland relativ wüchsiges Wetter für die Kartoffeln, und zwar bundesweit. So kam ein Durchschnittsertrag zusammen, der in den vergangenen 15 Jahren nur 2-mal übertroffen wurde: 2014 und 2017. Dieses Jahr führen Hitze und Dürre dazu, dass der Ertrag in vielen Regionen bei weitem nicht an das Vorjahr herankommt. In der Südhälfte Deutschlands beispielsweise sieht die Lage gebietsweise katastrophal aus. In Meldungen heißt es, dass es die extremste Dürrephase seit 1931 gab. Dazu kamen Allzeit-Rekorde bei der Hitze.
Im Westen, NRW, war der Sommer 2026 im Durchschnitt auch heißer und phasenweise deutlich trockener als der Sommer 2018. Während der Sommer 2018 lange Zeit als das Maß aller Dinge in Sachen Dürre galt, hat das Jahr 2026 in NRW neue Maßstäbe gesetzt. Das Land erlebte im Juli den trockensten Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und verzeichnete Temperaturabweichungen, die sogar den historischen Hitzesommer 2003 übertrafen.
Gerettet wird die Situation allerdings durch die Verhältnisse in Niedersachsen. Dorthin ist in den vergangenen Jahren nicht nur immer mehr Fläche abgewandert, sondern es gab auch mehr Regen und weniger Hitze. Der NDR meldete, dass der Sommer 2026 spektakulär startete: Bereits am 23. Juni rollte eine „historische“ Hitzewelle an. Dabei wurde in Lüchow mit 40,2 Grad die höchste jemals in Niedersachsen dokumentierte Temperatur gemessen. Demgegenüber standen im Juli und August jedoch feuchtere, schwüle Luftmassen und regelmäßige Abkühlungen, wodurch das insgesamt beispielsweise das extrem hohe Temperaturniveau von 2018 im Gesamtschnitt nicht erreicht wurde.
Auch wenn in einigen Landesteilen Missernten zu verzeichnen sind, wird 2026 eine Erntemenge zusammenkommen, die mit geschätzten 10,6 Mio. t deutlich über dem liegt, was 2018 geerntet wurde. Damals gab es nur 8,9 Mio. t.
Es gibt weitere Besonderheiten, die in den kommenden Monaten auf den Marktverlauf Wirkung haben werden. Das und den Kartoffelmarkt in Gänze durchleuchtet die Markt Woche Kartoffeln oder Markt aktuell Kartoffeln.
© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH
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Christoph Hambloch
Marktanalyst Kartoffeln
Tel. (0228) 33805-352
Autor von Fachbeiträgen und Produktstudien, langjährige intensive Kontakte zu nationalen und internationalen Unternehmen der Kartoffelbranche. Mitglied von Fachgremien und Institutionen im Bereich Kartoffelwirtschaft.
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