Geopolitische Spannungen bewegen Weizenkurse
Am 10.03.2026 lief der Fronttermin für Weizen an der Pariser Börse bei 191,75 EUR/t aus und verzeichnete damit auf Wochensicht nochmals ein Minus von 5,50 EUR/t. Der neue Fronttermin Mai 2026 schloss hingegen am 11.03.26 bei 206 EUR/t und lag damit 6,50 EUR/t über dem Niveau der Vorwoche. Der Kontrakt der neuen Ernte notierte zuletzt bei 211,50 EUR/t und verbuchte damit ein Wochenplus von 6,25 EUR/t.
Im Mittelpunkt der vergangenen Handelstage standen vor allem die Entwicklungen im Nahen Osten. Nahezu jede neue Meldung wirkte sich unmittelbar auf die Kurse aus, sodass Tagesschwankungen von -4,50 bis +3,50 EUR/t zur Tagesordnung gehörten. Einerseits sorgte die Ankündigung des US-Präsidenten, der Konflikt gegen den Iran könne bald beendet sein, für Druck auf die Notierungen. Andererseits bleibt die Unsicherheit über den weiteren Verlauf hoch; viele Importeure nehmen daher weiterhin eine abwartende Haltung ein. Angesichts der ohnehin komfortablen Versorgungslage am Getreidemarkt besteht aktuell zudem wenig Zeitdruck für Käufe. Zwar wurde aus Ägypten, Tunesien und Algerien Kaufinteresse signalisiert, Marktteilnehmer werten dies jedoch eher als Preisabfragen denn als konkrete Nachfrage.
Die Weichweizenexporte der EU summierten sich im laufenden Wirtschaftsjahr bis zum 08.03.2026 auf rund 16,5 Mio. t und lagen damit 9 % über dem Vorjahr. Im Wirtschaftsjahr 2023/24 waren zum gleichen Zeitpunkt jedoch bereits 22,5 Mio. t ausgeführt worden. Größter Abnehmer von EU-Weizen ist bislang Marokko mit einem Importvolumen von gut 2,6 (Vorjahr: 1,8) Mio. t.
US-Weizenkurse deutlich über Vorwoche
An der CBoT fiel das Wochenplus nach einem zwischenzeitlichen Auf und Ab etwas deutlicher aus. Am 11.03.2026 schloss der März-Kontrakt bei umgerechnet 186,70 EUR/t und lag damit 7,95 EUR/t über dem Niveau der Vorwoche. Der September-Kontrakt legte sogar um 10,45 EUR/t zu und erreichte 196,45 EUR/t.
Auch hier reagierten die Kurse maßgeblich auf die Entwicklungen im Nahen Osten. Weizennotierungen reagieren erfahrungsgemäß sensibel auf geopolitische Risiken und erhalten in solchen Phasen häufig zusätzliche Risikoprämien.
Gleichzeitig wurde das Wochenplus durch die weltweit komfortable Angebotssituation bei Weizen etwas begrenzt. Mit dem Näherrücken der Ernte 2026 dürfte dieser Faktor auch in den kommenden Wochen tendenziell Druck auf die Kurse ausüben. Vor allem die Konkurrenz aus der Schwarzmeerregion und aus Südamerika kann weiterhin auf umfangreiche Weizenmengen zurückgreifen, was das US-Exportgeschäft zusätzlich bremst. Der März-WASDE bestätigt diese Grundtendenz eines weiterhin gut versorgten Weltmarktes.
Unterdessen sorgten günstige Regenfälle in wichtigen Weizenanbauregionen der USA für eine gewisse Entspannung hinsichtlich möglicher trockenheitsbedingter Schäden an den Beständen. Eine große US-Ernte würde die ohnehin reichliche globale Weizenversorgung weiter verbessern. Regional reichten die Niederschläge jedoch nicht überall aus, sodass die Sorgen um den Zustand der Feldbestände teilweise wieder zunahmen.
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