Welt | Getreide | Kursentwicklung für Weizen

Weizenkurse drehen ins Minus

26.03.2026 (AMI) – Nach zwei Wochen Aufwärtsbewegung geben die Weizenkurse in Paris wieder nach. Geopolitische Risiken treffen auf eine weiterhin komfortable Versorgungslage.

Nach zwei Wochen fester Tendenz haben die Weizenkurse an der Pariser Terminbörse zuletzt wieder nachgegeben. Der Fronttermin schloss am 25.03.2026 bei 204 EUR/t und lag damit 3,50 EUR/t unter dem Niveau der Vorwoche. Zwischenzeitlich gab der Kontrakt bis auf 202,25 EUR/t nach, konnte sich davon jedoch wieder etwas erholen. Der September-2026-Termin schloss zuletzt bei 211,25 EUR/t und verzeichnete ebenfalls einen Wochenverlust von rund 4 EUR/t. Spätere Kontrakte der Ernte 2026 gaben um bis zu 3,25 EUR/t nach.

Die Unsicherheit am Markt bleibt hoch. Insbesondere neue Meldungen zur Lage im Nahen Osten sorgen weiterhin für deutliche Kursschwankungen an den internationalen Weizenmärkten. Zunächst hatte die Hoffnung auf ein baldiges Ende der militärischen Auseinandersetzungen für Entlastung gesorgt, nachdem die US-Regierung dem Iran ein Angebot zur Beendigung des Konflikts unterbreitet hatte. Diese Erwartungen wurden jedoch gedämpft, als der Iran erklärte, keinen Waffenstillstand akzeptieren zu wollen. In der Folge erhielten die Weizenkurse zuletzt wieder etwas Unterstützung, zumal die Entwicklung an den internationalen Düngemittelmärkten zusätzliche Unsicherheit bringt und Risiken für die globale Versorgung bestehen.

Auf der Nachfrageseite zeigt sich der Markt derzeit verhalten. Viele Importeure agieren abwartend und verschieben Käufe angesichts der geopolitischen Unsicherheiten. Zudem bleibt die weltweite Versorgungslage komfortabel, und auch für die kommende Saison werden Überträge erwartet. Der EU-Agrarbeobachtungsdienst MARS geht in seiner ersten Schätzung für das Wirtschaftsjahr 2026/27 davon aus, dass die EU-Weichweizenerträge gegenüber dem hohen Vorjahresniveau um rund 5 % zurückgehen werden. Dennoch lägen die Erträge damit weiterhin etwa 2 % über dem langjährigen Mittel.

Unterdessen beliefen sich die EU-Weichweizenausfuhren in der laufenden Saison bis zum 22.03.2026 auf insgesamt rund 17,14 Mio. t und lagen damit etwa 6 % über dem Vorjahreszeitraum. Allerdings wurden in der Saison 2023/24 zum gleichen Zeitpunkt bereits 23,75 Mio. t ausgeführt. Wichtigster Abnehmer von EU-Weichweizen war bislang Marokko mit Importen von gut 2,6 Mio. t (Vorjahr: 2,2 Mio. t) und einem Marktanteil von 15,4 %. Es folgen Ägypten mit 1,6 Mio. t (0,9 Mio. t) sowie Saudi-Arabien mit 1,3 Mio. t (0,8 Mio. t).

Angesichts weiterhin hoher globaler Lagerbestände und preislich wettbewerbsfähiger Angebote großer Exporteure – allen voran aus Russland – dürfte es für die EU bis zum Saisonende jedoch schwierig bleiben, zusätzliche Mengen am Weltmarkt abzusetzen. Insbesondere in wichtigen Absatzregionen wie Nordafrika und dem Nahen Osten nimmt der Wettbewerbsdruck aus der Schwarzmeerregion weiter zu.

US-Weizenkurse ebenfalls unter Druck, Trockenheit rückt in den Fokus

Auch an der CBoT standen die Weizenkurse auf Wochensicht unter Druck. Der Fronttermin Mai 2026 schloss am 25.03.2026 bei umgerechnet 189,45 EUR/t und lag damit 3,59 EUR/t unter dem Niveau der Vorwoche. Seit Wochenbeginn zeigt sich der Kontrakt allerdings wieder durchweg fester. Die Folgetermine gaben gegenüber der Vorwoche um bis zu 3,70 EUR/t nach.

Unterstützung erhielten die Kurse zuletzt durch anhaltende Sorgen über die Trockenheit in wichtigen US-Anbauregionen. Die Dürre hält bereits seit mehreren Wochen an. Zwar werden ab Mitte April Niederschläge erwartet, diese dürften jedoch nach aktueller Einschätzung kaum für nachhaltige Entlastung sorgen – insbesondere in den stark betroffenen Regionen.

Zusätzliche Unsicherheit bringt auch bei den US-Weizenkursen die angespannte geopolitische Lage im Nahen Osten. Marktteilnehmer diskutieren zunehmend, wie die zuletzt deutlich gestiegenen Treibstoff- und Düngemittelpreise die Anbauentscheidungen der US-Farmer im Frühjahr beeinflussen könnten. Davon betroffen sind vor allem die kosten- und pflegeintensiveren Kulturen Mais und Sojabohnen, was mittelbar auch für den Weizenmarkt von Bedeutung ist.

Auf der Nachfrageseite bewegten sich die wöchentlichen US-Weizenexporte mit 401.946 t im Rahmen der Markterwartungen. Zudem kaufte die Taiwan Flour Millers’ Association zum Ende der Vorwoche rund 105.000 t US-Mahlweizen, was den Kursen punktuell Halt gab.

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Beitrag von Svenja Herrmann
Produktmanagerin Pflanzenbau

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

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