Kein Bedarf für Frankreichs riesige Kartoffelernte
Wie schon berichtet, läuft der Export von Konsumkartoffeln in diesem Jahr dem des Vorjahres hinterher, obwohl viel mehr Ware zur Verfügung steht, die auch auf diesem Weg geräumt werden müsste. Den Angaben des Verbands der Kartoffelverarbeiter, GIPT, zufolge finden die vielen Kartoffeln aber auch kaum zusätzlichen Absatz in der Herstellung von Kartoffelprodukten. Bis Ende Dezember kamen aus dem aktuellen Wirtschaftsjahr nur 947.000 t zusammen, magere 29.000 t mehr als 2024. Nachdem 2024 eine weitere Pommes frites Fabrik an den Start gegangen war und zusätzliche Investitionen in die Verarbeitung angekündigt wurden, hatte die Branche mit viel mehr gerechnet und Erzeuger den Anbau stark ausgeweitet.
Die GIPT-Daten bestätigen auch, dass es diese Saison so gut wie keinen freien Markt gibt. Der macht im zweiten Halbjahr sonst zwischen 50.000 und 100.000 t aus, 2025 waren es nur 5.000 t. Die Verarbeiter hatten sich in Erwartung guter Pommes-Verkäufe innerhalb der EU und auch am Weltmarkt viel Rohstoff vertraglich abgesichert, auch in Belgien, woher die meisten Importe stammen. Insgesamt hat die Industrie sogar Probleme, alle Vertragsmengen abzunehmen, ist sehr qualitätskritisch und versucht auch, Verträge zu stornieren, heißt es.
Während im November das Produktionsvolumen 12 % kleiner als im Vorjahresmonat war, kamen im Dezember 3 % mehr zusammen. Freie Ware wurde fast gar nicht mehr abgenommen. Der Januar startet dann wieder sehr ruhig und es wurden teilweise Produktionsdrosselungen für die nächsten Wochen und Monate angekündigt.
Das eine sehr große Kartoffelernte nicht genügend Absatz finden, spiegelt sich in der Vorratsdaten wider, die der Anbauerverband UNPT jeden Monat erhebt und zuletzt für den Stichtag 31.12.2025 veröffentlichte. Damals warteten noch 4,7 Mio. t auf ihre Verwendung, 600.000 t mehr als im Vorjahr und schon Ende 2024 war die Vorratsmenge deutlich größer als der sich im weiteren Verlauf noch manifestierende Bedarf in Verarbeitung, Konsum und Export. Wie im Vorjahr sind erneut beide Segmente des Marktes betroffen. Es gib nochmal 200.000 t mehr Speisekartoffeln und sogar 400.000 t Verarbeitungsrohstoff, was die Hauptstoßrichtung der Anbauentwicklung 2025 belegt.
Von den Industriekartoffelvorräten sind die meisten schon vertraglich gebunden. Es werden rund 2,4 Mio. t angegeben, mehr als die Verarbeitung im Land im gesamten Wirtschaftsjahr braucht. Diese Menge ist aber auch für Kunden im Benelux-Raum unter Vertrag. 500.000 t sind noch frei verfügbar. Von den Speisekartoffeln müssen die meisten erst noch Abnehmer finden. 1,47 Mio. t freier Mengen stehen 331.000 t unter Vertrag gegenüber. Es müssen noch erhebliche Mengen exportiert werden, an einen Markt, der auch von anderen Anbietern, z.B. aus Deutschland, heftig umworben wird. Nach mittelfristiger Entspannung sieht das nicht aus. Im Gegenteil: es gab schon Überschussjahre in Frankreich, in denen bis weit in den September hinein Lagerkartoffeln verarbeitet, exportiert aber auch vor Ort abgepackt wurde. Womöglich droht das 2026 auch. UNPT schätzt, dass von der Vorratsmengen rund 400.000 t am Ende aus Qualitätsgründen/Lagerschwund nicht verfügbar sind, was zwar mehr als im Vorjahr sein dürfte, am Ende aber die Lage auch noch nicht entschärft.
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Christoph Hambloch
Marktanalyst Kartoffeln
Tel. (0228) 33805-352
Autor von Fachbeiträgen und Produktstudien, langjährige intensive Kontakte zu nationalen und internationalen Unternehmen der Kartoffelbranche. Mitglied von Fachgremien und Institutionen im Bereich Kartoffelwirtschaft.
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