Kartoffelübermengen verschwinden sehr langsam
Zum Stichtag 01.02.2026 hat die Agrarmarkt Informations GmbH wie schon seit 6 Jahren davor die Kartoffelexperten in Landwirtschaftskammern und Bauerverbänden zur Einschätzung der Vorräte von Kartoffeln in ihrem Zuständigkeitsbereich befragt. Im Ergebnis sieht es so aus, als würde sich die schon fast erdrückende Ernte des vergangenen Jahres nur sehr schwer abbauen lassen. Tendenziell scheint das bei Speisekartoffeln etwas besser geklappt zu haben als bei Pommes frites Kartoffeln, wenn man die Daten mit denen des vergangenen Jahres vergleicht.
Schon die Vorräte aus dem Vorjahr waren eine Bürde für die Kartoffelvermarktung bis zum Sommer. Insgesamt sind die Vorräte Anfang Februar 2026 aber im Fall von Pommes frites Kartoffeln noch einmal fast 50 % größer und von Speisekartoffeln über 40 % größer. Alle Kartoffelverwender können weiterhin aus den Vollen schöpfen und eine Entspannung der Marktlage ist nicht Sicht. Immer wieder ist die Rede von stärkerem Qualitätsabbau, der Preischancen für die Vermarktung der Top-Qualitäten eröffnen könnte – die Hoffnung stirbt ja aber bekanntlich zuletzt. Aus den verschiedenen Regionen gibt es individuelle Bewertungen wie folgt:
Im Raum Hannover/Uelzen sind die Lagerbestände höher als im Vorjahr. Das gilt sowohl für den Speise- als für den Verarbeitungsbereich. Es gibt noch zu viel Ware für den vorhandenen Bedarf. Durch Entsorgung konnten Mengen vom Markt genommen werden. Bisher war die Vermarktungsbereitschaft der Landwirte in der Hoffnung auf Lagerzuschläge aber eher verhalten. Diese Rechnung ging bisher nicht auf.
Im laufenden Wirtschaftsjahr wurden im Bereich Weser-Ems bisher weniger Kartoffeln verwertet als im Vorjahr. Es ist jedoch zu unterscheiden zwischen Vermarktung und Entsorgung. Nach Meinung von Marktbeteiligten liegt die Verwertung über Entsorgung bereits bei ca. 10 %. Es fehlt an Nachfrage im Versand- und Exportgeschäft, da die Zieladressen selbst noch über ausreichend Ware verfügen. Im Verarbeitungsbereich wird zum Teil auch Kontraktware geschoben oder nicht angenommen.
Die Lagerbestände fallen im Schnitt in Schleswig-Holstein in diesem Jahr deutlich höher aus als im Vorjahr zu diesem Zeitpunkt.
Der Anbau von Pommes-frites-Rohstoff hat in Hessen keine große Bedeutung Die Lagerräumung schreitet voran, nicht zuletzt wegen der physiologischen Alterung. Dennoch könnte aus einigen Lagerbeständen Ware bis Juni zur Verfügung stehen. Und anschließend dürften dann bereits die ersten Frühkartoffeln aus Südhessen nahtlos folgen. Infolgedessen könnte der Bedarf an Importware aus dem Mittelmeerraum deutlich reduziert sein.
Die Lagermengen in Rheinland-Pfalz sind für die Jahreszeit hoch. Anhaltender Angebotsdruck aus Überschussgebieten im In- und Ausland behindern die Räumung. Direktvermarkter melden zum Teil die höchsten Lagerbestände seit Jahren. Es wird allgemein eine Reduzierung der Anbaufläche erwarten.
Im Vergleich zum Februar 2025 fallen die Lagerbestände bei Erzeugern und beim Handel In Baden-Württemberg in diesem Jahr etwas höher aus. Das hängt hauptsächlich an der größeren Erntemenge. Bis jetzt scheint nicht klar, ob die Kartoffeln am Ende alle verkauft werden können. Durch die kühleren Lagerbedingungen und die nicht perfekte Abreife während der Ernte, könnte es zu einem höheren Ausschuss bei der Aufbereitung kommen.
In Bayern waren wegen der guten Erträge und der größeren Erntemenge die Lagerbestände zum 1. Februar trotz ungefähr gleicher bis etwas höherer abgesetzter Mengen noch deutlich größer als im Vorjahr. Insbesondere bei Pommes frites-Rohstoff waren die Vorräte sehr groß. Je nach Informationspartner variieren die Einschätzungen etwas.
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Christoph Hambloch
Marktanalyst Kartoffeln
Tel. (0228) 33805-352
Autor von Fachbeiträgen und Produktstudien, langjährige intensive Kontakte zu nationalen und internationalen Unternehmen der Kartoffelbranche. Mitglied von Fachgremien und Institutionen im Bereich Kartoffelwirtschaft.
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