Welt | Getreide | Kursentwicklung für Weizen

Schwarzmeerkonflikt treibt Weizenkurse

16.07.2026 (AMI) – Die Weizennotierungen in Paris und Chicago haben im Wochenverlauf deutlich zugelegt. Auslöser waren vor allem die verschärften Spannungen im Schwarzmeerraum, die Sorgen um russische und ukrainische Exportströme sowie zunehmende Ertragsrisiken in Teilen Europas.

Der Fronttermin für Weizen an der Euronext in Paris legte im Wochenverlauf bis zum 15. Juli deutlich um 27 EUR/t auf 231,50 EUR/t zu und erreichte damit den höchsten Stand seit Anfang Februar 2025. Auch die Folgetermine verzeichneten kräftige Aufschläge von bis zu 21,75 EUR/t, während der Kontrakt der Ernte 2027 um 13,50 EUR/t auf 233,25 EUR/t anzog.

Haupttreiber der Rallye waren die zunehmenden Spannungen im Schwarzmeerraum. Insbesondere die ukrainischen Angriffe auf Schiffe im Asowschen Meer und die daraus resultierenden Einschränkungen einer Route, über die rund ein Viertel der russischen Getreideexporte abgewickelt wird, erschwerten den Exportfluss im Schwarzmeerraum deutlich. Marktteilnehmer berichteten vereinzelt von verschobenen Käufen. Zusätzlichen Auftrieb lieferten die verstärkten russischen Angriffe auf ukrainische Schwarzmeerhäfen sowie Schäden an ukrainischen Hafen- und Verladekapazitäten. Am Markt wurde daher verstärkt über eine Verlagerung der internationalen Nachfrage auf andere Ursprünge spekuliert, insbesondere auf Lieferungen aus Rumänien und Bulgarien.

Unterstützung erhielt der Markt zudem von zunehmenden Ertragsrisiken in Westeuropa. Die anhaltende Hitzewelle führte zu einer Senkung der französischen Ernteprognosen, während auch für Deutschland teilweise niedrigere Erträge diskutiert wurden. Damit rückten die europäischen Produktionsaussichten stärker in den Fokus und sorgten für zusätzliche Risikoprämien.

Gebremst wurde der Kursanstieg jedoch durch die Aussagen russischer Stellen, wonach bestehende Exportverpflichtungen trotz der Störungen bislang erfüllt werden können. Russland verwies dabei auf alternative Umschlagkapazitäten, um mögliche Ausfälle im Asowschen Meer auszugleichen. Zudem liefen Exportverladungen über alternative Häfen sowie den Bosporus weiter, wodurch der Export bislang nicht vollständig unterbrochen wurde. Belastend wirkten darüber hinaus die Aussicht auf weiterhin solide Ernten in anderen wichtigen Exportländern sowie die insgesamt verhaltene Importnachfrage am Weltmarkt.

Die aktuelle feste Martklage basiert damit vor allem auf erhöhten Logistik- und Risikokosten im Schwarzmeerraum. Sollten größere Exportmengen künftig erfolgreich über alternative Häfen umgeleitet werden, könnte die Risikoprämie wieder sinken.

Indes senkte das Analysehaus Expana seine Prognose für die EU-Weichweizenernte 2026/27 um knapp 1 Mio. t. Die überarbeitete Schätzung liegt allerdings weiterhin leicht über dem Fünfjahresdurchschnitt und verdeutlicht damit, dass die Versorgungslage in der EU trotz der jüngsten Korrekturen insgesamt als ausreichend eingeschätzt wird.

US-Winterweizenernte verläuft zügig

An der CBoT konnte der Fronttermin für Weizen im Wochenverlauf ebenfalls deutlich zulegen und profitierte dabei ebenso vor allem von den zunehmenden geopolitischen Risiken im Schwarzmeerraum. Die Gefahr von Angebotsstörungen auf beiden Seiten des Schwarzmeerraums führte zu steigenden Risikoprämien am Markt. So lag der Schlusskurs am 15.07.2026 bei umgerechnet 218,23 EUR/t und damit gut 25 EUR/t über Vorwoche. Folgetermine tendierten ebenfalls fester.

Gleichzeitig blieben die wöchentlichen USDA-Exportdaten im Rahmen der Erwartungen. Auch die Einschätzung des USDA zu den US-Weizenkulturen lieferte keinen zusätzlichen kurstreibenden Impuls. Die Winterweizenernte schreitet zügig voran. Bis zum 13.07.2026 waren bereits 67 % der Flächen geräumt, gegenüber 62 % zum Vorjahreszeitpunkt. Auch das langjährige Mittel von 61 % wird damit deutlich übertroffen. Indes verbesserten sich die Zustandsbewertungen für die Sommerweizenbestände zuletzt leicht. Demnach befinden sich rund 58 % der Feldbestände in einem zufriedenstellenden Zustand, gegenüber 57 % in der Vorwoche. Zum Vorjahreszeitpunkt waren es rund 54 %.

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Beitrag von Svenja Herrmann
Produktmanagerin Pflanzenbau

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

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