Deutschland | Schweine | Erzeugung

Große Verunsicherung durch die drohende Afrikanische Schweinepest

26.01.2018 (AMI) – Nur noch rund 300 km ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) von Deutschland entfernt. Wildschweine und der Mensch sind Überträger des Virus. Durch kontaminierte und achtlos an Rastplätzen weggeworfene Essensreste kann die Seuche auch in Deutschland auftauchen. Der Branche würden bei Ausbruch Milliardenschäden entstehen.

Insbesondere die für Deutschland immens an Bedeutung gewonnenen Drittlandsmärkte (Handel mit Staaten außerhalb Europas) drohen auf Jahre hinaus wegzubrechen. In Anbetracht der neu aufgetretenen Fälle in der Tschechischen Republik und der weiten geographischen Verbreitung der gemeldeten Ausbrüche auf dem Territorium der RF, Ukraine, Litauen, Polen, Lettland und Estland bei Haus- und Wildschweinen wurde das Risiko einer Einschleppung der ASP nach Deutschland durch Fahrzeug- und Personenverkehr bewertet. Ergebnis: Risiko ist hoch.

Der Sprung der ASP über eine größere Entfernung in die Tschechische Republik erhöht das Risiko einer Einschleppung nach Deutschland. Das Risiko, dass die ASP zunächst in die deutsche Wildschweinpopulation eingeschleppt wird, erscheint vor dem Hintergrund der neu aufgetretenen Fälle in der Tschechischen Republik und der Situation in den baltischen Staaten und Polen größer als ein Ersteintrag in die Hausschweinpopulation.

ASP in Deutschland = Fukushima am EU-Schweinemarkt?

Polen hatte bereits im Februar 2014 ASP-Ausbrüche, woraufhin Russland gegenüber der EU mit einem Importstopp an Schweinefleisch konterte. Die Entwicklung der Handelsströme und die Preisentwicklung am polnischen Schweinemarkt wird von einigen Marktanalysten gerne als mögliches Szenario für Deutschland versucht zu übertragen. Dabei wird allerdings vergessen, dass Polens Schweinefleischexport im Vergleich zu Deutschland und anderen wichtigen EU-Exporteuren keine so große Rolle spielt. Deutschland hat im Jahr 2016 rund 1 Mio. t an Schweinefleisch und deren Nebenerzeugnisse im Handel mit Staaten außerhalb der EU vermarktet mit einem Exportwert in Höhe von 1,6 Mrd. EUR. Das entspricht einem Wert von 27 EUR pro geschlachtetem Schwein. Hauptantriebsfeder dieser Entwicklung war dabei mit Abstand China. Im Jahr 2017 beruhigte sich der Handel mit China deutlich, allerdings sind die Märkte in Asien nach wie vor sehr wichtig für die Wertschöpfung am Schwein. Der Ausbruch der ASP hätte vermutlich immense Marktverwerfungen zur Folge. Auch Marktbeobachter aus den Nachbarländern befürchten, dass das eine Einschleppung der Seuche in Deutschland ein „Fukushima am EU-Schweinemarkt“ nach sich ziehen könnte.

Pro und kontra im Export

Der Exportboom Deutschlands wird oft international und auch national sehr kritisch bewertet. Nach dem Motto: „Warum produziert Deutschland Schweinefleisch für Chinas Kühlschränke?“ Dafür sind unterschiedliche Verzehrgewohnheiten verantwortlich. Während in Deutschland die schieren Muskelfleischteile wie Schinken, Nacken, Schultern und der Rücken gefragt sind, werden Innereien, Fette, Abschnitte, Pfoten, Ohren und fette Bäuche im menschlichen Konsum so gut wie gar nicht nachgefragt. Diese Artikel sind wiederum die Exportschlager und Delikatessen im Handel nach Asien.

Detailliertere Auswertungen dazu und weitere Analysen zu den verschiedenen Schlacht- und Nutztiermärkten finden Sie im Markt aktuell Vieh und Fleisch. Vielleicht ist unser Markt Seminar Vieh und Fleisch am 20. März 2018 zum Thema „Shooting-Star Rindfleisch, kann Schweinefleisch mithalten?“ für Sie interessant.

Beitrag von Matthias Kohlmüller

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

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