Deutschland | Gemüse | Preise

Niedrige Preise trotz zögerlichem Saisonbeginn

10.05.2017 (AMI) – Der Einstieg in die deutsche Freilandgemüsesaison erfolgt 2017 recht zögerlich. Dennoch liegen die Erzeugerpreise bereits auf einem sehr niedrigen Niveau. Die für den Saisonstand noch ungewöhnlich hohen Importe und eine zuletzt nicht sehr rege Nachfrage sind die Ursachen dafür.

Über die Auswirkungen der Fröste in der zweiten Aprilhälfte auf den deutschen Obstbau wurde mehrfach berichtet. Das kalte Wetter hatte aber ebenfalls Auswirkungen auf den Gemüsebau. Am stärksten sind die wärmeliebenden Kulturen, wie Zucchini betroffen. Doch auch bei den anderen Arten gibt es bei den ersten Sätzen trotz Folienabdeckung erhebliche Ausfälle und Wachstumsverzögerungen. Bei den Salaten kam es vor allem in Norddeutschland durch den permanenten Wind zu Schlagschäden von der Folien- und Fließabdeckung. Und natürlich ist auch der Zuwachs bei den herrschenden Temperaturen minimal.

Südwestdeutschland zunächst allein am Markt

In der letzten Aprildekade setzt bei einigen Kulturen wie Kopfsalat oder Kohlrabi üblicherweise die Ernte in Südwestdeutschland ein. Das war auch in diesem Jahr der Fall, die hohen Temperaturen im März und den ersten Apriltagen sorgten hier sogar eher für einen frühzeitigen Saisoneinstieg. Im Gegensatz zu den Vorjahren ist die Pfalz zunächst jedoch länger allein am Markt, denn Norddeutschland kommt mit einer Woche Verspätung. Inzwischen ist auch das Wachstum in Südwestdeutschland gebremst, einen lückenlosen Anschluss der ersten nicht abgedeckten Sätze an die Foliensätze wird es kaum geben.

Noch ungewöhnlich hohe Importe

Trotz dieser Entwicklungen sind die Preise ab Erzeugermarkt so niedrig wie zuletzt 2014, als warmes Frühjahr für einen Blitzstart in die Freilandsaison sorgte. Dafür gibt es mehrere Ursachen. Die wichtigste sind die noch sehr hohen Importe aus dem Mittelmeerraum. Bedingt durch die witterungsbedingte Knappheit im Januar/Februar fühlten sich die spanischen Anbauer ermutigt, die letzten Sätze noch etwas auszudehnen. Die Verbraucherpreise für Eissalat lagen mit 0,57 EUR/Stück in Kalenderwoche 18 auf dem niedrigsten Niveau der letzten 14 Jahre! Ähnliches galt für Salatherzen und bunte Salate. Aus dem geschützten Anbau Spaniens kam zuletzt auch noch reichlich Fruchtgemüse auf den Markt. Die gedämpfte Nachfrage ist die zweite Ursache der niedrigen Preise. Denn bei regelmäßigen Nachtfrösten oder Niederschlägen ist der Salathunger – oft ein Begleiter von Grillaktivitäten – sehr begrenzt.

Radies kommt nur schwer aus Preistief

Die Saison für Radies und Bundzwiebeln beginnt schon in der zweiten Märzhälfte. Hier sorgten die hohen Temperaturen schon früh für ein reichliches Angebot und einen frühen Preisverfall. Inzwischen sind diese Bedingungen Geschichte und das Angebot ist eher überschaubar. Dennoch ist es bislang kaum gelungen, die Preise anzuheben. Im Verlauf der nächsten Wochen müssten sich die Preise für Blattsalate eigentlich erholen, denn spanische Importe werden nun doch rasch sinken. Wollen Sie den Gemüsemarkt weiterhin intensiv verfolgen? Der Online Dienst Markt aktuell Gemüse bringt täglich neue Großhandelsabgabepreise und wöchentlich eine Kommentierung des gesamten Gemüsesortimentes.

Beitrag von Dr. Hans-Christoph Behr

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

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