Deutschland | Gemüse | Strukturdaten

Der Gemüsemarkt unter dem Einfluss des Extremsommers 2018

10.04.2019 (AMI) – Der Sommer 2018 hat dem Gemüsemarkt in Deutschland mit anhaltender Hitze und Trockenheit seinen Stempel aufgedrückt. Bei den Lagergemüsearten waren die Auswirkungen der extremen Witterungsbedingungen des Sommers noch bis in das Jahr 2019 hinein zu spüren. Die eingelagerten Mengen waren kleiner als in den Vorjahren, und die Preise stiegen auf ein überdurchschnittlich hohes Niveau.

Ertragsentwicklungen im Freilandanbau werden zu einem großen Teil durch die Witterung beeinflusst. Diesbezüglich zeigte sich auch 2018 wieder als Extremjahr. Auf ein kaltes Frühjahr folgten schon sehr früh sommerliche Hitze und Trockenheit. Bei ausreichender Beregnung konnten Fruchtgemüsearten wie Gurken und Zucchini am besten mit diesen Bedingungen umgehen. Die frühen Kulturen wie Spargel und Rhabarber hatten ebenfalls noch keine Ertragseinbußen zum Vorjahr zu verbuchen. Die ganze Bandbreite der anderen Gemüsearten verzeichnete jedoch vereinzelt stabile, aber überwiegend niedrigere Durchschnittserträge als 2017.

Insgesamt wurde in Deutschland 2018 auf einer Fläche von 126.471 ha Gemüse im Freiland angebaut. Damit war die Fläche knapp 2 % kleiner als im Jahr zuvor. Von dieser Fläche wurden insgesamt 3,25 Mio. t Gemüse geerntet. Damit blieb die Gemüseernte im Freilandanbau knapp 14 % hinter der des Vorjahres zurück. Extrem fielen die Mengenrückgänge bei Zwiebeln, Kopfkohl sowie Erbsen und Bohnen aus.

Gemüseeinfuhren bleiben hinter dem Vorjahr zurück

Nach vorläufigen Angaben wurde die kleinere Gemüseernte in Deutschland nicht durch eine größere Menge an Importen ausgeglichen. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes hat die Bundesrepublik im vergangenen Jahr rund 3,19 Mio. t frisches Gemüse importiert. Damit wird das Ergebnis aus 2017 um 2 % verfehlt. Der Wert der Gemüseeinfuhren verfehlt mit 4,36 Mrd. EUR den Rekordwert aus 2017 um 4 %. Dennoch wurde damit erneut die Marke von 4 Mrd. EUR geknackt. Die Gemüseeinfuhren werden klar vom Fruchtgemüse dominiert. Allein auf das Trio Tomaten, Gurken, Paprika entfällt die Hälfte der Importmenge. Sowohl an Tomaten (-2 %) als auch an Gurken (-1 %) wurden kleinere Mengen als im Vorjahr importiert, während die Einfuhren an Gemüsepaprika weitgehend stabil geblieben sind. Aus Spanien wurden größere Mengen des Fruchtgemüse-Trios importiert als im Vorjahr. Dagegen kamen aus den Niederlanden kleinere Mengen an Tomaten und Paprika nach Deutschland. Lediglich bei Gurken sind die Zufuhren von dort gestiegen. Einen Rekord erzielten die Einfuhren an Zucchini (95.300 t) und Auberginen (51.800 t). Ohnehin weisen diese beiden Fruchtgemüse eine positive Entwicklung auf. So sind die Importe an Zucchini zwischen 2008 und 2018 jährlich im Schnitt um 5 % gestiegen, bei Auberginen schlägt ein Plus von 4 % pro Jahr zu Buche.

Verbraucher kauften weniger Gemüse

Im vergangenen Jahr haben die privaten Haushalte in Deutschland die kleinste Menge an Frischgemüse seit sechs Jahren gekauft. Einzig an Fruchtgemüse wurden, wohl beflügelt durch die lange anhaltende Hitze ab dem Frühjahr, größere Mengen gekauft. Alle anderen Gemüsegruppen hatten das Nachsehen. Den stärksten Rückgang zum Vorjahr verbuchte dabei das Wurzelgemüse. Auf der anderen Seite haben die Verbraucher beim Kauf von Frischgemüse in keinem der Jahre zuvor mehr Geld ausgegeben. Bei vielen Gemüsearten fiel das Angebot im Saisonverlauf begrenzt aus.

Auch wenn viele Gemüsearten im vergangenen Jahr in kleineren Mengen über die Ladentheke gingen, gibt es auch Gewinner. So stechen beim genaueren Blick auf die einzelnen Gemüsesegmente Paprika und Speisekürbisse bei den Fruchtgemüsen mit der höchsten Einkaufsmenge seit 2012 hervor, während Salatherzen der Gewinner bei den Salat- und Blattgemüsen sind. Auf den höchsten Stand seit sechs Jahren sind zudem die Broccolikäufe gestiegen. Auch bei Rosenkohl erholte sich die Einkaufsmenge nach den zwei schwachen Vorjahren wieder. Innerhalb des Wurzelgemüses konnten nicht nur Mini- bzw. Snack-Möhren punkten. Zudem konnten Rote Bete an die hohe Einkaufsmenge aus dem Jahr 2017 anknüpfen. Rein von der Menge her betrachtet erreichten zudem die Knoblauchkäufe im vergangenen Jahr einen Rekord, gleiches gilt für Frühlingszwiebeln. Wenngleich die Pilzkäufe im vergangenen Jahr um 2 % zum Vorjahr gesunken sind, landeten stabile Mengen an Champignons in den Einkaufskörben der Haushalte. Wie in den Vorjahren setzt sich der Trend zu braunen Champignons fort.

Auswirkungen auf Preise, Angebotsaktionen und private Nachfrage

Gemüse wird überwiegend im Freiland angebaut und unterliegt damit mehr oder weniger stark den jeweiligen Witterungsbedingungen. Sicherlich war 2018 ein Extremjahr, aber es ist nicht auszuschließen, dass sich solche Extreme in immer engerer Folge wiederholen. Das muss nicht unbedingt anhaltende Trockenheit sein, auch lokal begrenzte Ereignisse wir Start- oder Dauerregen, Stürme oder Hagel können Produktionspläne auf den Kopf stellen und so den Markt beeinflussen. Unabhängig von der Witterung müssen sich die Gemüseproduzenten weiteren Herausforderungen stellen. Dazu gehören die Beschaffung von Arbeitskräften, die Novellierung der Düngeverordnung, die Zulassungssituation bei Pflanzenschutzmitteln und die zunehmend kritische Haltung von Umweltverbänden und Verbrauchern gegenüber dem Einsatz von Folienabdeckungen im Gemüsebau. Die Anforderungen steigen. Nicht immer spiegelt sich das entsprechend in der Wertschätzung durch die Verbraucher und in der Preisgestaltung wider.

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Beitrag von Michael Koch

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

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