Deutschland | Ölsaaten | Marktprognose

Risiken im Schwarzmeerraum prägen Rapskurse

23.07.2026 (AMI) – Die Verschärfung der Lage im Schwarzmeerraum hatte die Pariser Rapskurse zunächst deutlich gestützt und auch den deutschen Kassamarkt gestützt. Da die EU bei Ölsaaten und deren Verarbeitungserzeugnissen stark von Lieferungen aus der Ukraine abhängig ist, betreffen Störungen der Handelswege den gesamten Pflanzenölkomplex.

Update, 26.07.: Die Risiken für die Schifffahrt im Schwarzen Meer bestehen fort. Einzelne neue Schiffsabschlüsse zeigen jedoch, dass die Exporte nicht vollständig stillstehen. Gleichzeitig haben die Pariser Rapskurse am Freitag einen Teil der zuvor aufgebauten Risikoprämie wieder abgegeben. Die geopolitische Lage bleibt damit ein wichtiger Einflussfaktor, führt aber nicht automatisch zu dauerhaft steigenden Kursen.

Die vorausgegangene Aufwärtsbewegung an der Pariser Börse hatte auch den deutschen Rapsmarkt mitgezogen. Die Kassapreise folgten den festen Terminmarktvorgaben, auch wenn der Anstieg im physischen Geschäft nicht überall vollständig umgesetzt wurde. Nach der jüngsten Korrektur warten viele Marktteilnehmer nun ab, auf welchem Niveau sich die Kurse stabilisieren. Hinzu kommt, dass die Rapsernte im Norden und Osten vielerorts erst begonnen hat oder durch feuchte Witterung unterbrochen wird. Belastbare Ertrags- und Qualitätsmeldungen liegen dort bislang nur begrenzt vor.

Auslöser der vorherigen Kursgewinne war vor allem die verschärfte Lage im Schwarzmeerraum. Angriffe auf Hafen- und Lagerinfrastruktur, Einschränkungen des Schiffsverkehrs sowie steigende Fracht- und Versicherungskosten erhöhen das Risiko, dass ukrainische Ölsaaten und Pflanzenöle nur verzögert oder zu höheren Kosten auf den Weltmarkt gelangen. Einzelne neue Schiffsabschlüsse zeigen allerdings, dass die Exportströme bislang nicht vollständig unterbrochen sind. Zusätzliche Unterstützung kam zuletzt von festen Rohöl- und Sojanotierungen.

Die Ukraine bleibt für den europäischen Ölsaatenmarkt von großer Bedeutung. In der abgelaufenen Saison 2025/26 stammten bis Ende Juni knapp 30 % der EU-Rapsimporte aus der Ukraine. Bei den Verarbeitungserzeugnissen ist die Abhängigkeit noch ausgeprägter: Rund zwei Drittel der EU-Rapsölimporte und mehr als 90 % der Sonnenblumenölimporte kamen aus der Ukraine. Störungen der Handelswege treffen daher nicht nur Rapssaat, sondern den gesamten Pflanzenölkomplex.

Die deutsche Rapsernte liefert bislang kein einheitliches Gegengewicht. Während die Arbeiten im Westen und Süden teilweise schon weiter fortgeschritten sind, fallen die ersten Druschergebnisse regional sehr unterschiedlich und vielfach enttäuschend aus. Damit bleiben die deutschen Kassapreise eng an die Vorgaben aus Paris gebunden. Deren weitere Richtung dürfte jedoch davon abhängen, ob sich die Risiken im Schwarzmeerraum tatsächlich in geringeren Exportmengen niederschlagen.

Beitrag von Leif Erik Rehder
Bereichsleiter Pflanzenbau

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

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