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Ständig neue Herausforderungen für den Obstmarkt

27.03.2020 (AMI) – Obstproduzenten und alle, die entlang der Wertschöpfungskette am Obstmarkt beteiligt sind, stehen dieser Tage vor großen Herausforderungen. Werden genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, welche Veränderungen sind während und nach der Corona-Krise bezüglich Nachfrage, Vertriebswegen und Preisen zu erwarten. Das sind nur einige der Fragen, die Produzenten und Händler derzeit bewegen. Diese aktuellen Fragen kann die gerade erschienene AMI Markt Bilanz Obst noch nicht beantworten. Sie hilft aber dabei, das aktuelle Geschehen einzuordnen und kurzfristige Entwicklungen von langfristigen Trends zu unterscheiden.

Auch abseits der aktuellen Entwicklungen stellt der Obstmarkt alle Beteiligten immer wieder vor neue Herausforderungen. Da gibt es auf der einen Seite witterungsbedingte Schwankungen im Angebot und auf der anderen Seite Veränderungen in der Einkaufs- und Verzehrgewohnheiten der Verbraucher. Doch was hat das Jahr 2019 besonders geprägt?

Die Auswirkungen der Sommertrockenheit in den Jahren 2018 und 2019 wurden in der Obsternte 2019 noch einmal deutlich. Nicht nur alle Baumobstarten konnten nicht an die hohen Erträge des Jahres 2018 anknüpfen, gleiches gilt für einige Strauchbeeren. Eine Ausnahme sind die Erdbeeren, deren Ernte bundesweit stärker ausfiel als 2018. Trotz der Einbußen durch Fröste, Hagel und Starkregen, verfehlte die Obsternte das langjährige Mittel nur knapp. Insgesamt belief sich die deutsche Obsternte 2019 auf rund 1,33 Mio. t. Damit ist die Ernte um 15 % kleiner als die Rekordernte im Jahr 2018.

Unterschiedliche Halbjahre bei Äpfeln

Welchen Einfluss die Apfelernte auf die Vermarktungssituation hat, wurde 2019 vor allem in den Angebotsaktionen des Lebensmitteleinzelhandels deutlich. Zu Beginn des Jahres 2019 war die Zahl der Werbeanstöße für Äpfel höher als im Vorjahr. Für die Erklärung muss bis ins Jahr 2017 zurückgeblickt werden. Damals waren große Teile der Apfelernte dem Frost zum Opfer gefallen, und es wurden nur sehr wenige Äpfel geerntet. Entsprechend standen in der ersten Jahreshälfte 2018 nur kleine Lagerbestände zur Verfügung, die noch dazu hochpreisig waren. Das Potenzial für Angebotsaktionen war gering, und der LEH hielt sich dementsprechend mit Aktionen zurück. Daher war die Zahl der Werbeanstöße zum Start in das Jahr 2018 vergleichsweise gering. Zum Start in das Jahr 2019 waren die Vorzeichen genau umgekehrt. Im Herbst 2018 war eine Rekordernte an Äpfeln eingelagert worden. Hohe Lagerbestände zum Jahresstart 2019 drängten in den Verkauf und wurden über Angebotsaktionen im LEH platziert. Vor allem zum Tag des deutschen Apfels war die Zahl der Werbeanstöße hoch.

Die Apfelernte 2019 war dann niedriger als im Vorjahr, die Lagerkapazitäten waren eher ausreichend, so dass nicht schon während der Ernte Ware in den Markt gedrückt werden musste. Nach der Sommerpause wurden Äpfel zwar wieder stärker beworben, die Zahl der Werbeanstöße konnte aber nicht an das hohe Niveau des Vorjahres anknüpfen.

Boom bei Beerenobst hält an

Der Markt für Beerenobst boomt. Das gilt in Deutschland vor allem für Heidelbeeren und Himbeeren, die in den vergangenen Jahren erhebliche Zuwachsraten bezüglich der privaten Nachfrage aufweisen. Als Snack für Unterwegs oder als Topping auf Joghurt oder Müsli sind beiden Beerenfrüchte sehr gefragt. Dabei scheint die Nachfrage nicht an eine bestimmte Saison gebunden zu sein. Sowohl Heidelbeeren als auch Himbeeren werden ganzjährig nachgefragt. In den vergangenen Jahren hat sich der einstige Nachfragehöhepunkt in den Sommermonaten zunehmend auf das übrige Jahr verteilt. Damit profitieren aktuell vor allem die Importe von der steigenden Nachfrage. Durch die weltweite Ausweitung des Heidelbeeranbaus hat sich auf dem Markt ein Verdrängungswettbewerb entwickelt, der gerade 2019 zu sinkenden Preisen geführt hat. Im Lebensmitteleinzelhandel folgt eine Angebotsaktion auf die nächste. So verschwinden Heidelbeeren nie aus dem Fokus der Verbraucher. Ähnlich sieht es bei den Himbeeren aus. Führend im Beerensortiment bleiben jedoch die Erdbeeren. Hier war die Situation 2019 vor allem von einem größeren Angebot aus Spanien geprägt. In der deutschen Produktion hält der Trend zu mehr geschütztem Anbau an.

Um die aktuellen Auswirkungen der Corona-Krise einordnen zu können, ist es wichtig Referenzwerte zu haben. Wie groß ist die Nachfrage im Durchschnitt mehrere Jahre zu einer bestimmten Zeit im Jahr? Wie entwickeln sich die Preise unter bestimmten Rahmenbedingungen? Bei der Beantwortung dieser und ähnlicher Fragen helfen die langen Zeitreihen in der AMI Markt Bilanz Obst. Sie ermöglichen einen Vergleich der Ist-Situation mit der Vergangenheit und damit eine sachliche und fundierte Einordnung.

Wie haben sich die Rahmenbedingungen 2019 auf das Angebot, die Nachfrage und die Preise ausgewirkt? Als Antwort auf diese Fragen haben die AMI Marktexperten in der AMI Markt Bilanz Obst umfangreiche Fakten und Daten zu Erntemengen von Obst in Deutschland, Europa und der Welt, zum Außenhandel, zur Preissituation und zur Nachfrage zusammengestellt. Nutzen Sie die Jahrbücher als wichtige Grundlage für Ihre strategischen Entscheidungen: Sie haben die Wahl zwischen der Buchausgabe im handlichen A5-Format für den Schreibtisch oder dem eBook plus als pdf-Dokument mit allen Kennzahlen als Excel-Tabellen. Beide Ausgaben können Sie bequem online bestellen.

Beitrag von Michael Koch
Marktexperte Gartenbau

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

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