Deutschland | Obst | Verbrauch

Wir kaufen mehr Obst

27.07.2017 (AMI) – Obst ist teurer als in den Vorjahren. Wird auch weniger Obst gekauft? Die für das erste Halbjahr 2017 vorliegenden Einkaufsmengen der deutschen Haushalte stellen jedenfalls eine Überraschung dar.

Die ertragsmindernden Nachtfröste im Frühjahr, dazu die über weite Strecken wechselhafte Witterung beeinflussen die Märkte und letztendlich auch das Einkaufsverhalten der Konsumenten. Die deutsche Obstproduktion ist knapper als in den Vorjahren, für 2017 wird sogar die schwächste Ernte der letzten 20 Jahre prognostiziert. Diese unbestrittene Angebotseinschränkung hätte sich eigentlich schon in den Konsumdaten für die Monate Mai und Juni widerspiegeln müssen.

Erstaunlicher Obstkonsum

Aber Fehlanzeige. Nach einer AMI Analyse auf Basis des GfK-Haushaltspanels kauften die deutschen Konsumenten in den Monaten Mai und Juni rund 640.000 t Obst. Gegenüber dem Mittel aus den letzten drei Jahren zeigt sich ein Zuwachs von 50.000 t (+8 %). Der Zuwachs im 1. Halbjahr 2017 fällt mit plus 3,6 % nicht so üppig. Die Obstbranche dürfte aber mit dem Ergebnis absolut zufrieden sein, zumal der über Jahre stagnierende Obstkonsum endlich einen positiven Trend aufzeigt.

Die Grundlage für den Erfolg stellt nicht der Preisanreiz, sondern vielmehr die Qualität der Ware mit einem zunehmenden Fokus auf den Geschmack dar. Dies animiert zu Nachkäufen, wobei hochwertiges Obst und Gemüse die allgemeine Kaufsequenz in Einzelhandel fördert. Aldi & Co legen zunehmend Wert auf Qualitätsware mit höher Wertschöpfung.

Konsument zahlt Spitzenpreis für Sommerobst

Natürlich musste der Konsument in den letzten Wochen mehr Geld für ein Kilogramm deutsche Erdbeeren oder Kirschen bezahlen. Der durchschnittliche Ladenverkaufspreis für Kirschen lag bei 6,12 EUR/kg (Vorjahre 5,20 EUR bis 5,70 EUR/kg), für Erdbeeren wurden 4,94 EUR/kg (Vorjahre 3,70/4,50 EUR/kg) gezahlt. Davon dürfte dann auch der Produzent profitieren und halbwegs einen Ausgleich für die Ernteverluste bekommen.

Innerhalb des Obstsortimentes findet aber auch eine Substitution statt, wobei Defizite in der Inlandsproduktion schnell durch Importware ausgeglichen werden. Bei Kirschen dominierte über weite Strecken die türkische Ware, bei Zwetschen (deutsche Ernte -60 %) wird deutlich mehr Ware aus der Balkanregion geordert. Letztendlich befindet man sich in einem globalen Markt.

AMI Markt Woche Obst & Gemüse

Möchten Sie mehr über den Obstkonsum in Deutschland erfahren und ob gegebenenfalls eine Substitution zwischen den Obstarten oder Herkünften erfolgt? Dazu können Sie die wöchentlich erscheinende AMI Markt Woche Obst & Gemüse abonnieren. Nutzen Sie noch heute die Bestellmöglichkeit im Shop und sichern Sie sich ihren Zugang zu fundierten Marktinformationen.

Beitrag von Helwig Schwartau
Bereichsleiter Gartenbau, Büro Hamburg

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

Zurück

Das könnte Sie auch interessieren

Deutschland | Kernobst | Ernte

Weniger EU-Äpfel, mehr Birnen

06.08.2020 (AMI) – Frühjahrsfröste und alternierende Erträge drücken die EU-Apfelernte auf unterdurchschnittliche 10,7 Mio. t. Sind die damit verbundenen höheren Preiserwartungen in „Corona-Zeiten“ durchsetzbar und wie präsentiert sich der deutsche Markt?  Mehr

Deutschland | Obst | Preise

Hitzewelle begünstigt Absatz von Wassermelonen

06.08.2020 (AMI) – Der Schaukelsommer scheint vorerst eine Pause einzulegen und auf Hochsommer umzuschalten. Die Nachfrage nach Wassermelonen hat sich mit der hochsommerlichen Witterung belebt.   Mehr

Deutschland | Beerenobst | Marktversorgung

Heidelbeerpreise deutlich über Vorjahresniveau

04.08.2020 (AMI) – Die erste Hälfte der Heidelbeersaison in Deutschland ist bereits vergangen. Bei meist guter Nachfrage zu einem höheren Preisniveau als in den Vorjahren ist ein Teil der Produzenten zufrieden. Ein anderer Teil wird die teils deutlich geringeren Erträge, vor allem durch Frostschäden, nicht kompensieren können.   Mehr