Deutschland | Öko-Landbau | Marktprognose

Bio-Markt wächst nur noch im LEH

14.02.2023 (AMI) – 2022 gaben die Verbraucher in Deutschland weniger Geld und damit insgesamt 15,3 Mrd. EUR für Bio-Lebensmittel und -Getränke aus. Erstmals sinken die Ausgaben für Bio-Lebensmittel und können das im zweiten Pandemie-geprägten Bio-Boom-Jahr 2021 erreichte Niveau nicht halten. Dennoch liegen die Umsätze 25 % über dem Vor-Corona-Niveau.

Das im Corona-Boom erreichte Niveau kann also fast gehalten werden. Treibende Kraft beim Bio-Umsatzwachstum war 2022 allein der Lebensmitteleinzelhandel, der seinen Umsatz erheblich steigern konnte. Zwei Drittel des Bio-Marktes entfallen auf den LEH. Insbesondere die Discounter konnten mit größerem Angebot mehr Kundinnen und Kunden in die Läden locken. Die Haushalte wollen zwar Bio-Lebensmittel kaufen, aber dafür möglichst wenig Geld ausgeben. Dabei zogen vor allem die Discounter die Preise für viele Bio-Produkte nach oben, sodass das Wachstum dort zum Großteil aus Preissteigerungen stammt. Die Vollsortimenter verloren nur wenig an Umsatz und hielten im Großen und Ganzen die Verbraucherpreise stabil. Frische- und Trockenprodukte entwickelten sich 2022 in ähnlichem Maße. Deutlich gewonnen haben die günstigeren Handelsmarken, während Markenprodukte nach zwei starken Vorjahren verloren.

Der Naturkosthandel konnte 2022 die Umsätze nicht halten und rutschte hinter dem Vorjahr zurück. Die Umsätze liegen jetzt wieder fast auf dem Vor-Corona-Niveau von 2019. Auch die sonstigen Einkaufsstätten, zu denen die Hofläden, der Online-Handel (inkl. Lieferdienste), Wochenmärkte, Bäckereien, Metzgereien und Reformhäuser zählen, verfehlten den 2021er Umsatz. Nach einem Run auf die erzeugernahen Einkaufsstätten in den beiden Vorjahren, hat dieser wieder deutlich abgenommen. Dennoch gehen diese Einkaufstätten mit einem Plus gegenüber 2019 aus dem Krisenjahr hervor. Die Direktverkäufe leiden, wie der Naturkosthandel auch, darunter, dass die Kunden vermeintlich hochpreisige Einkaufsstätten meiden und versuchen, ihr Geld zusammenzuhalten. Insgesamt kommen weniger Kunden in die Läden, aber die Kunden, die kommen, lassen ähnlich viel Geld im Laden wie zuvor.

In Zeiten von Inflationsraten bis zu 20 %, sind auch Bio-Lebensmittel teurer geworden, allerdings nicht in dem Maße wie konventionelle Lebensmittel. Insbesondere in die Discounter haben die Preise erhöht. Daher stammt ein Teil der Umsatzerhöhungen aus höheren Preisen. Die Verkaufsmengen sind daher bei vielen Produkten stärker zurückgegangen als die Umsätze. Gegenüber 2019 aber überschreiten die Verkaufsmengen bei fast allen Produkten die damaligen Mengen bei Weitem. Die höheren Preise resultieren zum großen Teil aus den deutlich höheren Produktionskosten (Energie, Arbeit, Transport) auf allen Stufen. 2023 dürfte sich der Spagat zwischen hohen Produktionskosten in der Landwirtschaft und Verarbeitung auf der einen und verträglichen Verbraucherpreisen auf der anderen Seite fortsetzen.

Sie brauchen den gesamten Überblick? Alle Zahlen, Daten, Fakten zum Bio-Markt 2022 veröffentlichen wir in unserer Markt Bilanz Öko-Landbau 2023. Bestellen Sie jetzt schon vor. Wenn Sie regelmäßige Markt-Updates benötigen, sind Sie beim Markt aktuell Öko-Landbau genau richtig.

Beitrag von Diana Schaack
Marktexpertin Öko-Landbau
Druckversion als PDF öffnen

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

Zurück

Das könnte Sie auch interessieren

Deutschland | Bio-Getreide | Ernte

Bio-Getreideernte leicht unter Vorjahr

09.11.2022 (AMI) – Die Bio-Bauern in Deutschland ernteten im Jahr 2022 rund 10.000 t Bio-Getreide weniger als 2021, und damit 1,17 Mio. Tonnen. Dabei verschoben sich die Anbaupläne hin zu mehr Dinkel und weniger Hafer sowie Triticale. Die Bio-Flächenerträge sind gegenüber 2021 gesunken.   Mehr

Deutschland | Bio-Obst | Bodennutzung

Gut ein Fünftel der Baumobstflächen ist bio

21.10.2022 (AMI) – Rund 1.000 Baumobstbetriebe in Deutschland erzeugen im Jahr 2022 ihr Obst auf einer Fläche von 10.100 ha ökologisch, so die Ergebnisse der Baumobstanbauerhebung 2022 des Statistischen Bundesamtes (Destatis).   Mehr

Deutschland | Bio-Obst | Markttrends

Kein Preisaufschlag für Bio-Äpfel und -Bananen

12.10.2022 (AMI) – Der Herbst ist da - und genauso präsentiert sich auch das Bio-Obstangebot. Sommerobst ist weitgehend verschwunden und im Mittelpunkt stehen neuerntige Äpfel, Tafeltrauben und Bananen. Aber während die Preise für Lebensmittel im Allgemeinen steigen und steigen, ist für Obst kein Aufschlag zu erzielen.   Mehr

Deutschland | Öko-Landbau | Strukturdaten

Erlöse mit Bio-Produkten 2021 zweistellig gewachsen

15.09.2022 (AMI) - Die Verkaufserlöse der Bio-Landwirte sind 2021 um 14 % auf 3,29 Mrd. EUR gestiegen. Vor allem höhere Preise, aber auch Flächenveränderungen trugen dazu bei. So wurde zum Beispiel mehr Speisegetreide als Futtergetreide angebaut. Die AMI stellt die aktuellen Strukturdaten für den Öko-Landbau vor.   Mehr

Deutschland | Bio-Milch | Angebot

Deutsche Bio-Milchanlieferung wächst um 2,6 Prozent

01.09.2022 (AMI) – Die Bio-Milchanlieferungsmenge in Deutschland war im ersten Halbjahr 2022 nach Milchstatistik der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) 2,6 % größer als im vorigen Jahr.   Mehr

Deutschland | Bio-Getreide | Angebot

Viel Bio-Dinkel, insgesamt aber weniger Bio-Getreide und -Leguminosen

23.08.2022 (AMI) – Die Bio-Getreideernte läuft in den letzten Zügen und kann damit deutlich früher abgeschlossen werden als in anderen Jahren. Allerdings war es in weiten Landesteilen viel zu trocken. Das verbessert die Qualitäten, also die Eiweiß- und Klebergehalte. Die Erntemengen dagegen fallen teils unterdurchschnittlich aus – insgesamt dennoch besser als erwartet.   Mehr

Deutschland | Bio-Milch | Erzeugerpreise

Bio-Preise nahe konventionellem Niveau

05.08.2022 (AMI) – Die Bio-Milcherzeuger haben im Juni nochmals einen merklichen Aufschlag erhalten. Dennoch fiel dieser nicht so hoch aus wie bei der konventionellen Schiene.   Mehr

Deutschland | Öko-Landbau | Haushaltsnachfrage

AMI on Tour – Die BIOFACH 2022 erstmals im Sommer

21.07.2022 (AMI) – Endlich kann sich die Bio-Branche wieder persönlich treffen. Auf der BIOFACH Summer Edition vom 26. - 29. Juli 2022 in Nürnberg wird wieder ein gemeinsamer Austausch vor Ort möglich sein. Der internationale Kongress zur BIOFACH 2022 beleuchtet die Zukunftstrends in der Nahrungsproduktion und bietet vielfältige Vorträge und Foren zu aktuellen Bio-Themen.   Mehr

Deutschland | Öko-Landbau | Strukturdaten

6 % mehr Bio-Fläche in Deutschland 2021

11.07.2022 (AMI) – Die deutsche Bio-Fläche ist 2021 um 100.000 ha oder knapp 6 % auf 1,8 Mio. ha gewachsen. Der Bio-Landbau erreicht damit einen Flächenanteil an der gesamten Landwirtschaftsfläche von 10,9 %. Bei den Bio-Betrieben liegt der Anteil bei 14 %, so die Ende Juni veröffentlichten Daten der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).   Mehr

Deutschland | Bio-Rinder | Preise

Anhaltend hohes Niveau bei den Bio-Rinderpreisen

20.06.2022 Die Erzeugerpreis für Bio-Rinder verharren auf dem hohen Niveau, das sie seit den Preissprüngen am konventionellen Markt im Frühjahr erreicht haben. Höhere Preise werden auch im Lebensmittelhandel für Bio-Rindfleisch gefordert. Wie weit gehen die Verbraucher mit?   Mehr