Deutschland | Öko-Landbau | Marktversorgung

Historisches Umsatzwachstum für den Bio-Markt

17.02.2021 (AMI) - 2020 gaben die Deutschen 22 % mehr Geld und damit insgesamt 14,99 Mrd. EUR für Bio-Lebensmittel und -Getränke aus. Damit legte der Bio-Markt im Corona-Jahr ungefähr doppelt so stark zu wie der gesamte Lebensmittelmarkt. Als die Menschen viel zu Hause gekocht und gegessen haben, haben sie deutlich häufiger zu Bio-Produkten gegriffen als zuvor. Der Bio-Anteil am Lebensmittelmarkt erhöht sich damit auf vorläufige 6,4 %.

Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) hat seine Umsätze mit Bio-Lebensmitteln und Getränken um 22 % gesteigert und hält mit insgesamt 9,05 Mrd. EUR seinen Anteil an Bio-Markt von 60 %. Insbesondere die Lebensmittelvollsortimenter trugen mit größeren und tieferen Sortimenten dazu bei. Sie listen inzwischen häufig neben der Handelsmarke auch ein Angebot aus der Region oder von einem Verband. Seit Beginn der Pandemie sind die Verbraucher bestrebt, ihre Einkäufe in möglichst wenigen Geschäften zu erledigen. Daher suchen sie vermehrt Food-Vollsortimenter auf, in denen sie möglichst alles bekommen, was sie brauchen. Die Discounter wuchsen zwar 2020 auch in großen Schritten, blieben aber weit hinter den Vollsortimentern zurück.

Dem Naturkosthandel bescherten Stammkundschaft und Neukunden in der Corona-Krise ein Umsatzplus von 16,4 %. Insgesamt steigerten die Bio-Fachhändler ihren Umsatz mit Lebensmitteln und Getränken (ohne Non-Food-Artikel) 2020 auf 3,70 Mrd. EUR, sie verloren damit allerdings zwei Prozentpunkte des Marktanteils auf 25 %.

Am stärksten zugelegt haben die sonstigen Einkaufsstätten, zu denen die Hofläden, der Online-Handel (inkl. Lieferdienste), Wochenmärkte, Bäckereien, Metzgereien und Reformhäuser zählen. Sie zusammen erzielten 35 % höhere Umsätze mit Bio-Produkten. Den Verbraucherwunsch nach vertrauenswürdigen, regionalen Lebensmitteln, der in der Pandemiezeit immer wichtiger wurde, können die Direktvermarkter am besten erfüllen. Sie legten um knapp 30 % zu. Sehr erfolgreich war auch der Online-Handel, zu denen auch Lieferdienste und Abokisten zählen. Dessen Umsätze verdoppelten sich fast. Die Kundinnen und Kunden haben damit den Gang in den Einzelhandel vermieden und gleichzeitig Bio-Produkte in großer Auswahl bestellt. Viele Lieferdienste stießen schon im Frühjahr an ihre Kapazitätsgrenzen und konnten keine neue Kundschaft mehr aufnehmen.

Die Verkaufsmengen legten über alle Verkaufswege betrachtet in fast dem gleichen Maße zu wie die Umsätze. Die Verbraucherpreise stiegen nur bei Fleisch, Obst und Gemüse, blieben in den anderen Warengruppen stabil oder gingen zurück. Das Umsatzwachstum resultiert also fast ausschließlich auf größeren Verkaufsmengen, nur wenig auf Preissteigerungen.

Geflügel und Fleisch in Bio-Qualität wurde mehr gekauft

Die Bio-Produkte mit den größten Wachstumsraten waren 2020 Geflügel und Fleisch, die von ihrem jeweils kleinen Bio-Anteil einen Sprung nach oben getan haben. Mehl war nicht nur von den Hamsterkäufen betroffen, sondern das ganze Jahr über stärker gefragt als sonst. Der Vegan-Trend ließ den Verkauf der Milchalternativen um mehr als 50 % steigen. An fünfter und sechster Stelle folgten die großen Warengruppen Gemüse und Obst, deren Umsätze 29 und 25 % größer ausfielen als im Jahr zuvor. Die Umsätze der meisten anderen Frischewarengruppen wie Wurst, Eier und Molkereiprodukten sind zwischen 15 und 22 % gestiegen. Sie alle profitierten vom hohen Inhouse-Konsum der Verbraucher.

Beitrag von Diana Schaack
Marktexpertin Öko-Landbau

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

Zurück

Das könnte Sie auch interessieren

Deutschland | Bio-Milch | Erzeugerpreise

Bio-Preise nahe konventionellem Niveau

05.08.2022 (AMI) – Die Bio-Milcherzeuger haben im Juni nochmals einen merklichen Aufschlag erhalten. Dennoch fiel dieser nicht so hoch aus wie bei der konventionellen Schiene.   Mehr

Deutschland | Öko-Landbau | Haushaltsnachfrage

AMI on Tour – Die BIOFACH 2022 erstmals im Sommer

21.07.2022 (AMI) – Endlich kann sich die Bio-Branche wieder persönlich treffen. Auf der BIOFACH Summer Edition vom 26. - 29. Juli 2022 in Nürnberg wird wieder ein gemeinsamer Austausch vor Ort möglich sein. Der internationale Kongress zur BIOFACH 2022 beleuchtet die Zukunftstrends in der Nahrungsproduktion und bietet vielfältige Vorträge und Foren zu aktuellen Bio-Themen.   Mehr

Deutschland | Öko-Landbau | Strukturdaten

6 % mehr Bio-Fläche in Deutschland 2021

11.07.2022 (AMI) – Die deutsche Bio-Fläche ist 2021 um 100.000 ha oder knapp 6 % auf 1,8 Mio. ha gewachsen. Der Bio-Landbau erreicht damit einen Flächenanteil an der gesamten Landwirtschaftsfläche von 10,9 %. Bei den Bio-Betrieben liegt der Anteil bei 14 %, so die Ende Juni veröffentlichten Daten der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).   Mehr

Deutschland | Bio-Rinder | Preise

Anhaltend hohes Niveau bei den Bio-Rinderpreisen

20.06.2022 Die Erzeugerpreis für Bio-Rinder verharren auf dem hohen Niveau, das sie seit den Preissprüngen am konventionellen Markt im Frühjahr erreicht haben. Höhere Preise werden auch im Lebensmittelhandel für Bio-Rindfleisch gefordert. Wie weit gehen die Verbraucher mit?   Mehr

Deutschland | Bio-Getreide | Markttrends

Konventionelle Getreidepreise nah an den Bio-Preisen

12.05.2022 (AMI) – „Biogetreide jetzt billiger als normales Getreide“ titelten verschiedene Agrarmagazine Ende April. Das war der Höhepunkt der Preissteigerungen an den konventionellen Börsen und löste heftige Diskussionen auch in der Bio-Branche aus.   Mehr

Deutschland | Öko-Landbau | Marktversorgung

Bio-Boom hielt 2021 an, aber wie geht es weiter?

23.03.2022 (AMI) – Im Jahr 2021 gaben die Verbraucher in Deutschland 5,8 % mehr Geld und damit insgesamt 15,87 Mrd. EUR für Bio-Lebensmittel und -Getränke aus. Der Bio-Markt kann sich damit mehr als behaupten, und das vor dem Hintergrund des Rekordwachstums von 2020 und einem stagnierenden Gesamtmarkt für Lebensmittel.   Mehr

Deutschland | Bio-Gemüse | Strukturdaten

Neuer Rekordwert bei Bio-Gemüsefläche in Deutschland

18.03.2022 (AMI) – Die Anbaufläche von Bio-Gemüse im Freiland erreichte in Deutschland im Jahr 2021 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes insgesamt 18.221 ha und verzeichnet damit erneut einen Rekord.   Mehr

Europa | Öko-Landbau | Außenhandel

Bio aus der Ukraine – welche Mengen fehlen jetzt?

11.03.2022 (AMI) – Der Krieg in der Ukraine wirbelt den Weltgetreidehandel durcheinander. Doch betrifft das auch Bio-Produkte? Sonnenblumen und vor allem Sonnenblumenkuchen sind in den vergangenen Jahren das wichtigste Bio-Produkt aus der Ukraine für den EU-Markt geworden. Von größerer Bedeutung sind auch Sojabohnen, Weizen, Mais und Leinsaat.   Mehr

Europa | Öko-Landbau | Marktversorgung

Bio-Markt in Europa mit starkem Wachstum 2020

21.02.2022 (AMI) – Der Bio-Markt in Europa wächst weiter; er legte 2020 um ganze 15 Prozent auf 52 Milliarden Euro zu. Zahlreiche Märkte verzeichneten zweistellige Wachstumsraten. Auch die Bio-Landwirtschaftsfläche ist gewachsen.   Mehr

Deutschland | Öko-Landbau | Markttrends

Bio-Umsatzwachstum setzt sich 2021 fort

14.02.2022 (AMI) – Im Jahr 2021 gaben die Verbraucher in Deutschland 5,8 % mehr Geld und damit insgesamt 15,87 Mrd. EUR für Bio-Lebensmittel und -Getränke aus. Der Bio-Markt kann sich damit mehr als behaupten, und das vor dem Hintergrund des Rekordwachstums von 2020 und einem stagnierenden Gesamtmarkt für Lebensmittel. Der Bio-Anteil am Lebensmittelmarkt erhöht sich damit auf vorläufige 6,8 %.   Mehr