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Achterbahn der Preise

01.04.2020 (AMI) – Die Märkte sind außer Rand und Band, nach der Schockstarre wird jetzt gekauft, die Rohstoffdecke aufgepolstert und dank der Hamsterkäufe nach Mehl, auch mehr Weizen verarbeitet. Die Transportproblematik schürte die Angst vor Versorgungsengpässen und treibt die Nachfrage an.

Vorerst machen die mangelnden Transportmöglichkeiten noch die größten Sorgen und so kauft jeder momentan was geht, denn keiner weiß, wie lange diese Situation anhält. Die Nachfrage nach Mehl brummt, was Mühlen in Zeiten von Corona vor neue Herausforderungen stellt. Auf der einen Seite die Mitarbeiter vor Ansteckung schützen, auf der anderen die unerwartet lebhafte Nachfrage decken. Und das geht nicht nur den deutschen Verarbeiter so. Die Hamsterkäufe der Haushalte treiben den Weizenmarkt an – weltweit! So reagieren die Börsen in Chicago und Paris mit kräftigem Plus, was die Kassapreise beflügelt und den Markt wiederbelebt. Auf Erzeugerebene wurde noch nie dagewesene Preissprünge verzeichnet. Eliteweizen legte gegenüber Vorwoche im Schnitt um 13 EUR/t zu, Qualitätsweizen um 12 und Brotweizen um 9,50 EUR/t. Damit sind die Erzeuger wieder am Markt und verkaufen alterntige Partien und bei der Gelegenheit auch gleich Teilmengen der kommenden Ernte. Denn auch hier haben die Gebote wieder so weit zugelegt, dass sie durchaus an die Niveaus im Januar 2020 herankommen. Allerdings werden gleichzeitig auch immer noch dieselben Geldkurse wie vor 14 Tagen genannt, so dass sich die Preisspannen sehr vergrößert haben. Und das ist das Dilemma: mit den volatilen Kursen treffen die unterschiedlichsten Preisvorstellungen aufeinander und das führt nur selten zum Abschluss. Daher bleiben die Erzeugerpreise in einigen Regionen weiterhin nominell.

Während der Mehlmarkt boomt, entwickelt sich der Braugerstenmarkt zum Sorgenkind. Das Versammlungsverbot und die Schließung der Gastronomie trifft den Bierabsatz hart. Und derzeit ist nicht bekannt, wie lange diese Situation bestehen bleibt. Vor diesem Hintergrund benötigen Brauereien kaum Rohstoff und halten sich auch mit Käufen auf Termin zurück. Die Geldkurse für Braugerste zur Lieferung ab Oktober 2020 liegen rund 6 EUR/t unter dem Niveau vom Februar 2020. Erzeuger erhalten für prompte Braugerste auch in dieser Woche weniger und mit 170,50 EUR/t im Bundesdurchschnitt ist beinahe das Niveau vom Brotweizen erreicht. Weniger als für Qualitätsweizen wird bereits gezahlt, und auch das kam in den vergangenen Jahren äußerst selten vor.

Auch am Mischfuttermarkt ist der Bedarf an prompter Ware ungebrochen. In den Wochen zuvor hatte die Sorge um Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest die Futterbranche von langfristigen Kontrakten abgehalten. Diese Angst wird von der aktuellen Situation unter den Restriktionen der Corona-Pandemie überlagert. Die Verzögerungen in der Logistik, aber vor allem die Ungewissheit über die Dauer dieser Phase, ließ Mäster verstärkt zugreifen. Das bekamen auch die Mischfutterhersteller zu spüren, und die waren bislang kaum besser gedeckt als die Veredelungsbetriebe. Wurde anfänglich noch von Hamsterkäufen bei den Verarbeitern gesprochen, entspannt sich die Situation langsam wieder. Der Warenfluss ist zwar nicht ganz so reibungslos wie üblich, aber alle Marktbeteiligten reagieren mit hoher Flexibilität und Verständnis.

Da der jüngste Preisanstieg der Rohstoffe noch schneller erfolgte als der vorangegangene Preisverfall, verfehlen sich Anbieter und Interessenten immer noch häufig bei ihren Preisvorstellungen. So kommen vergleichsweise wenig Umsätze zustande, die genannten Preise sind allenfalls nominell. Der Futtergetreidemarkt hat sich wieder zum Käufermarkt entwickelt, Geldkurse sind deutlich einfacher zu bekommen als Offerten. Der überregionale Absatz ist durch das begrenzte Angebot an LKW eingeschränkt, wo es geht, wird aufs Wasser ausgewichen.

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Beitrag von Wienke von Schenck
Marktexpertin Pflanzenbau

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

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