Deutschland | Frische Lebensmittel | Index

Lebensmittelteuerung blieb auch im Mai hoch

04.06.2020 (AMI) – Die Lebensmittelpreise haben in den vergangenen Monaten deutlich angezogen. Jedoch nur einzelne Preisaufschläge sind dabei der Corona-Pandemie geschuldet. Während die Lebensmittelteuerung im April noch einen Spitzenwert erreichte, schwächte sich diese jedoch im Mai 2020 bereits leicht ab.

Dennoch lagen die Verbraucherpreise für frische Lebensmittel, dem AMI-Frischeindex zufolge, weiterhin deutlich über dem Vorjahresniveau. Die Verbraucher zahlten im Mai 2020 somit 7,7 % mehr als ein Jahr zuvor. Getrieben wurde die Teuerung wie zuvor vor allem von höheren Preisen in den Warengruppen Schweinefleisch, Fleischwaren, Obst und Gemüse.

Fleischpreise blieben hoch

Für frisches Schweinefleisch zahlten die Verbraucher im Mai etwa 15 % mehr. Die Preise liegen bereits seit dem vergangenen Sommer über dem Vorjahresniveau und waren über mehrere Schritte gestiegen. Der vermehrte Importbedarf Chinas, aufgrund der dortigen grassierenden Schweinepest, hatte auch die Preise hier zu Lande steigen lassen. Klassische Grillartikel wie das marinierte Schweineschnitzel kosteten dadurch rund 14 % mehr als im Vorjahr. Obwohl im April und Mai dieses Jahres die Erzeugerpreise für Schlachtschweine zurückgegangen sind, war das Preisniveau im Geschäft unverändert. Anders als bei Obst und Gemüse erfolgen Preisanpassungen im Fleischbereich erst zeitverzögert auf der Verbraucherebene. Da Schweinefleisch ein Hauptbestandteil von Wurst und Fleischwaren ist, kam es auch in dieser Warengruppe in den vergangenen Monaten zu Preisaufschlägen. Die Verbraucher zahlten im Mai schließlich 14 % mehr als im Vorjahr.

Geflügel verteuerte sich um rund 7 %. Bei frischer Ware fiel das Plus höher aus als bei tiefgekühlten Artikeln. Dies dürfte nicht zuletzt auf Angebotsdruck zurückzuführen sein, der daraus resultierte, dass im Zuge des Lockdown die Gemeinschaftsverpflegung als wichtiger Abnehmer praktisch zum Erliegen gekommen war.

Entgegengesetzte Preisanpassungen im Molkereibereich

Während zu Monatsbeginn die Preise für einzelne Molkereiprodukte im Basissortiment des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) nach oben angepasst wurden, gingen die Preise für Deutsche Markenbutter zurück. Da die Kontraktlaufzeiten zwischen Molkereien und Handel zumeist nur einen oder zwei Monate betragen, folgen die Preise von Formbutter recht zeitnah den Entwicklungen am Markt für Industriebutter. Das 250-Gramm-Päckchen Deutsche Markenbutter kostete im Preiseinstiegssegment somit im Mai 1,25 EUR. Das waren 20 Ct weniger als im April und 24 Ct weniger als im Mai 2019. Streichmischfette bewegten sich auf gleichem Preisniveau wie die Deutsche Markenbutter. Bio-Butter kostete unverändert 2,29 EUR/250 g.

Bei Konsummilch und Milchfrischprodukten haben die Kontrakte in der Regel Laufzeiten von sechs Monaten. Hier schlagen sich in den Verhandlungen vermehrt auch längerfristige Marktentwicklungen nieder. Die bis Ende April gültigen Ladenpreise bezogen sich auf den Abschluss vom Herbst des vergangenen Jahres. Für die neue Kontraktlaufzeit wurden im Preiseinstiegssegment höhere Molkereiabgabepreise für Milch und weitere Milchfrischprodukte verhandelt. Im Zuge dessen hatte der LEH Anfang Mai die Preise im Einstiegssegment angehoben. Konventionelle Frisch- und H-Milch waren somit bei einem Fettgehalt von 3,5 % mit 79 Ct/l und bei 1,5 % Fett mit 71 Ct/l jeweils um 6 Ct/l teurer als in den Monaten zuvor. Bei Bio-Milch waren die Preise mit 1,09 EUR/l in der Vollfettvariante und 0,99 EUR/l in der Niedrigfettvariante zum vorherigen Kontrakt unverändert. Neben konventioneller Milch verteuerten sich auch Quark und Kondensmilch im Basissortiment des LEH. Milch und Milchprodukte waren somit im Mai etwa 2 % teurer als im Vorjahr.

Gemüsepreise gingen zurück

Zwar lagen die Preise für Gemüse im Mai mit einem Plus von rund 8 % weiterhin über dem Vorjahresniveau. Gegenüber dem Vormonat gingen diese jedoch um 16 % zurück. Nach einem Preisaufschlag von 25 % im April 2020 hatte sich die Situation einen Monat später bereits etwas entspannt. Fehlende Saisonarbeitskräfte, aufgrund der Corona-Restriktionen, führten dazu, dass die Ernte nicht in vollen Zügen durchgeführt werden konnte. Spitzenreiter mit der höchsten Teuerungsrate innerhalb der Warengruppe Gemüse blieb Kohl mit einem Aufschlag von 46 %. Saisonüblich stieg die Menge an Spargel. Die Verbraucherpreise lagen im Mai mit rund 6 % nur noch leicht über dem Vorjahresniveau. Für Salate und Fruchtgemüse zahlten die Verbraucher weiterhin mehr. Zwiebeln waren dagegen, aufgrund der besseren Warenverfügbarkeit als im Vorjahr, weiterhin günstiger erhältlich. Die Verbraucher sparten etwa 25 % beim Kauf.

Ebenso wie bei Zwiebeln war der Markt auch mit Kartoffeln besser aufgestellt als vor einem Jahr. Diese kosteten etwa 11 % weniger als im Mai 2019.

Obstpreise zogen an

Bereits seit Oktober 2019 liegen die Verbraucherpreise für Obst über dem Vorjahresniveau. Getrieben wurden sie in diesem Zeitraum vor allem von teurerem Kernobst und teureren Zitrusfrüchten aufgrund kleinerer Ernten. Im Mai 2020 lagen die Obstpreise 16 % über dem Vorjahresniveau. Während Zitrusfrüchte, bedingt durch die endende Saison, an Marktbedeutung verloren haben, beeinflussten teurere Äpfel und Birnen noch immer die Obstpreise insgesamt. Doch auch Sommerobst, wie Beeren, Pfirsiche, Nektarinen oder Melonen, kosteten im Mai mehr als ein Jahr zuvor. Das Angebot über das gesamte Steinobstsortiment fiel, aufgrund schlechter Witterungsbedingungen, knapp aus, so dass zu Saisonbeginn kleinere Mengen an Aprikosen, Pfirsichen und Nektarinen zur Verfügung standen. In der Folge lagen die Verbraucherpreise hier gut 9 % über dem Vorjahresniveau. Wassermelonen kosten 28 % und Zuckermelonen 12 % mehr als im Mai 2019. Angebotsseitig machten sich die ungünstigen Bedingungen während der Blüte und des Aufwuchses bemerkbar. Zudem wirkten sich erschwerte Umstände während der Ernte und der Logistik aus. Für deutsche Erdbeeren zahlten die Verbraucher durchschnittlich 5 % mehr als vor Jahresfrist. Dagegen kosteten Heidelbeeren rund 41 % mehr. Ursache war ein knappes Angebot zum Saisonende in Spanien, nachdem die Saison in Marokko bereits abgeschlossen war.

Wenn Sie Informationen zur Preisentwicklung von frischen Lebensmitteln auf Verbraucherebene benötigen, nehmen Sie Kontakt mit den Marktexperten der Verbraucherforschung auf.


Beitrag von Judith Dittrich

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

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