Deutschland | Obst | Marktversorgung

Explodieren die Einkaufsmengen bei Citrus 2020/21?

20.11.2020 Citrusfrüchte stehen derzeit bei vielen Haushalten auf dem Einkaufszettel. Die Nachfrage ist traditionell im letzten und ersten Quartal des Jahres am stärksten. In diesem Jahr erhält sie durch die Corona-Pandemie zusätzlichen Schwung.

Mittlerweile liegen für die Citrushochburgen der Nordhalbkugel Ernteschätzungen vor, die eine leicht kleinere Ernte ausweisen. Dabei gibt es bei allen Citrusarten mit Ausnahme von Easy Peelern Einbußen. Die Citrusnachfrage in Deutschland wird aber im Wesentlichen durch Importe aus Spanien gedeckt, 2019 stammten 78 % aller deutschen Citruseinfuhren aus diesem Land. Es ist deshalb kein Wunder, dass die sehr kleine Citrusernte 2019/20 in Spanien auch auf die Einkaufsmenge in Deutschland durchschlug. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2020 fiel die eingekaufte Menge noch knapp 10 % geringer aus als im Vorjahr. Aber dann erreichte die Corona „Grippe“ Deutschland, und die Nachfrage stieg sprunghaft an. Im Vergleich zum Vorjahr betrug das Plus im April/Mai rund 15 %. Danach war die Warendecke in Spanien so dünn, dass auch deutlich höhere Lieferungen anderer Länder das Minus nicht ausgleichen konnten. Der Nachfrageüberhang ließ die Preise kräftig steigen. Im Sommer ist die Citrusnachfrage in Deutschland traditionell sehr niedrig, von der Südhalbkugel kam zwar ebenfalls deutlich mehr Ware, in absoluten Zahlen machen diese Steigerungen aber wenig aus.

Die Voraussetzungen der Ernte 2020/21 sind nun aber anders. Zwar wurde die Ernteschätzung in Spanien schon nach unten revidiert, da es im Hauptanbaugebiet der Comunidad Valenciana zu Einbußen durch heftige Regenfälle gekommen ist, mehr als im Vorjahr wird aber immer noch erwartet. Außerdem ist der Zusammenhang zwischen Ernte und Exporten nicht immer eng, denn die Temperatur in den Zielländern spielt ebenfalls eine große Rolle. Lassen die größere Ernte in Spanien und der erneute Lockdown im November die Einkaufsmengen durch die Decke gehen? Werden die übrigen Mittelmeerländer Deutschland als Exportziel wieder neu entdecken? Diese und andere Fragen wollen wir im Webseminar Citrus diskutieren, das die AMI gemeinsam mit Fruchthandel online am 2. Dezember 15 Uhr anbietet. Näheres zur Veranstaltung und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier

Beitrag von Dr. Hans-Christoph Behr
Prokurist

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

Zurück

Das könnte Sie auch interessieren

Welt | Industriegetreide | Marktversorgung

Hartweizennachfrage wird stark beschnitten

14.10.2021 (AMI) – Die katastrophale Ernte beim weltweit wichtigsten Hartweizenanbieter Kanada wird das globale Angebot drastisch minimieren. Das treibt die Preise nach oben und wird die Nachfrage vielleicht sogar auf ein 19- Jahrestief drosseln. In Europa hat sich kanadische Ware nach der Preisrallye ausgepreist, stützt aber somit weiterhin die Notierungen in Frankreich und Italien, die aktuell 80 % über Vorjahr liegen.   Mehr

Europa | Gemüse | Marktprognose

European Packaging Forum: Weniger, anders oder gar nicht?

13.10.2021 (AMI) – Es vergeht kaum eine Woche ohne eine Meldung zu Verpackungen bei frischem Obst und Gemüse. Meist handelt es sich um Ankündigungen verschiedener Akteure der Wertschöpfungskette, in Zukunft weniger oder anderes Verpackungsmaterial zu verwenden.   Mehr

Deutschland | Rohmilch | Erzeugerpreise

Bio-Milchpreise leicht im Plus

12.10.2021 (AMI) – Nach einer kurzen Verschnaufpause haben die Preise für ökologisch erzeugte Milch im August erneut zugelegt. Ein saisonal abnehmendes Angebot bei umfangreicher Nachfrage hat den Weg für die eine oder andere Preisanhebung bereitet.   Mehr