Wie viel Umsatz erwirtschaften Bio-Direktvermarkter in Deutschland?

08.04.2019 (AMI) – Der deutsche Bio-Markt ist groß, komplett erforscht ist er nicht. So ist zwar bekannt, welche Anteile der Naturkosthandel oder der Lebensmitteleinzelhandel daran haben. Einen Teil des Marktes bedienen aber Hofläden, Wochenmarktbeschicker, Bäckereien und Metzgereien mit Bio-Angebot. Ihre Zahl ist nicht erfasst. Ihr Umsatz mit Bio-Lebensmitteln konnte bislang nur anhand von Haushaltspaneldaten geschätzt werden, die für diesen Bereich aber stark schwanken. In einem BÖLN-Projekt hat die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) nun viele Erkenntnisse gewonnen und geht nun mit einer dritten Befragung noch weiteren Details auf den Grund.

Anhand der Webseiten der großen Bio-Anbauverbände und über die im Internet abrufbaren Bio-Einkaufsführer der Bundesländer hat die AMI rund 3.170 Adressen von Bäckereien, Metzgereien, Hofläden, Wochenmarktbeschickern und Versandhändlern mit Bio-Angebot in Deutschland ermittelt. Im Detail sind es Adressen von 601 Bäckereien, 239 Metzgereien, 1.822 Hofläden, 207 Wochenmarktbeschickern und 298 Versandhändlern. Gezählt wurden in der Handwerksrolle eingetragene Bäcker und Metzger, Hofläden mit weniger als 50.000 Euro Zukauf sowie Wochenmarktbeschicker und Versandhändler – letztere inklusive Weinversandhändlern und Abokistenlieferanten.

Im Projekt „Mehr Transparenz auf dem deutschen Bio-Markt“ konnte durch eine umfangreiche Adressrecherche erstmals die Zahl der „sonstigen Einkaufsstätten“ mit einem Angebot an Bio-Lebensmitteln und Bio-Getränken ermittelt werden.

Das Ergebnis: 2017 gab es in Deutschland 721 Bio-Bäcker, 287 Bio-Metzgereien, 1.549 Bio-Hofläden, 298 Bio-Versandhändler und 414 Bio-Wochenmarktbeschicker. Häufig war es schwierig, die Geschäfte eindeutig einem dieser Geschäftstypen zuzuordnen, da viele Betriebe mehrere Standbeine haben. So gibt es nicht nur zahlreiche Überschneidungen zwischen Hofläden, Wochenmarktbeschickern und Versandhändlern, die auch Abokisten vertreiben, sondern auch viele Handwerksbetriebe, die ihr Hauptgeschäft auf Wochenmärkten machen.

Besonders schwierig zu ermitteln waren Betriebe mit gleichzeitigem Bio- und konventionellem Angebot – nicht nur bei den Bäckern und Metzgern, sondern auch bei den Wochenmarktbeschickern. In zwei Umfragen konnten die durchschnittlichen Umsätze (an Endverbraucher) dieser Geschäfte ermittelt werden. Danach lagen die hochgerechneten Jahresumsätze bei den Bäckereien bei 422 Mio. EUR, bei den Metzgereien bei 128 Mio. EUR, bei den Hofläden bei 255 Mio. EUR, bei den Versandhändlern bei 281 Mio. EUR und bei den Wochenmarktbeschickern bei 149 Mio. EUR.

Für die Reformhäuser konnte mit der Bestimmung der Bio-Artikel ein Umsatzkorridor von 194 bis 350 Mio. EUR ermittelt werden, mit einem Durchschnitt von 276 Mio. EUR. Daraus ergab die Hochrechnung der durchschnittlichen Umsätze aller Geschäfte einen Jahresumsatz mit Bio-Lebensmitteln von 1,51 Mrd. EUR. Das waren rund 300 Mio. EUR mehr als der Arbeitskreis Biomarkt bislang in seiner Umsatzschätzung für diese Geschäfte angenommen hatte.

Der Vergleich mit den Paneldaten der GfK zeigte, dass die im Haushaltspanel ermittelten Umsätze der „sonstigen Einkaufsstätten“ weniger unterschätzt worden waren, als vorher angenommen. Durch die Hochrechnung der Umsätze konnte ein Coverage-Faktor von 1,2 für alle „sonstigen Einkaufsstätten“ ermittelt werden. Mit dieser Nivellierung des Umsatzniveaus wurden auch die Daten des Arbeitskreises Biomarkt der vergangenen Jahren nach oben korrigiert. Mit dem hier ermittelten Niveau lassen sich die Umsätze für die nächsten Jahre mithilfe der Wachstumsrate fortschreiben.

Ursprünglich sollte das BÖLN-Projekt im März 2019 beendet sein. Dieses Vorhaben geht dank der Finanzierung der BLE im Rahmen des Bundesprogrammes Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) bis 31.12.2019 in die Verlängerung. Unter Anderem soll ab April im Rahmen einer dritten optimierten Befragung der Bio-Umsatz und die Verteilung der Umsätze auf die jeweiligen Absatzwege näheren Aufschluss über die Sonstigen Einkaufsstätten geben.

Näheres zum Projekt erfahren Sie bei unserer AMI-Marktexpertin Diana Schaack. In Kürze wird hier ein Link zur Umfrage eingestellt.

 

Mehr Transparenz auf dem deutschen Bio-Markt

01.05.2017 (AMI) – Dieses Vorhaben wird seit April 2017 in dem Projekt „Mehr Transparenz auf dem deutschen Bio-Markt – Verbesserung der jährlichen Marktschätzung unter besonderer Berücksichtigung des Lebensmitteleinzelhandels und der ‚sonstigen Einkaufsstätten‘“ behandelt. Das Vorhaben wird von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Bundesprogrammes Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) finanziert. Mehr