Europa | Kernobst | Ernte

Äpfel nicht nur lieb, sondern auch teuer?

10.08.2017 (AMI) – Die deutsche Apfelbranche steht vor einer großen Herausforderung. Nach den Wetterkapriolen erwarten die deutschen Produzenten nur eine Apfelernte von 550.000 t. Ist die absehbare Angebotslücke von 400.000 t halbwegs durch Importe zu schließen oder muss sich der Konsument auf deutlich höhere Ladenverkaufspreise einstellen?

Die Schätzung der europäischen Apfelernte 2017 liegt endlich vor. Die Nachtfröste im April und Anfang Mai, sowie die anschließend wechselhafte Witterung dezimiert die Apfelernte auf geschätzte 9,3 Mio. t. Daraus ergibt sich ein Minus von 2 bis 2,5 Mio. t gegenüber den beiden Vorjahren. Hatte man in den letzten Jahren häufig mit einer Überproduktion zu kämpfen und musste nicht kostendeckende Preise in Kauf nehmen, deutet sich jetzt eine Unterversorgung des Marktes von mehr als 1 Mio. t EU-Äpfel an. Verständlich, dass die Produzenten jetzt auf ausgleichende Preise hoffen, die dann natürlich auch der Konsument zu spüren bekommt.

45 % weniger deutsche Äpfel

Besonders heftig hat es die deutschen Apfelproduzenten getroffen. Hier dezimiert sich die Apfelernte um 45 % auf 550.000 t. Aber auch hier gibt es regionale Unterschiede mit einem Ertragsverlust von 65 % in der Region Bodensee und minus 50 % im Rheinland. Die Niederelbe und die Erzeugerorganisationen in den östlichen Bundesländern melden ein Minus von 30-35 %.

Man kann schon heute davon ausgehen, dass die Warenversorgung mit regional erzeugten Äpfel in den kommenden Monaten nicht vollständig abgesichert werden kann. Hier wird der Konsument höhere Ladenverkaufspreise für Äpfel akzeptieren müssen. In 2016 zahlte der Verbraucher für ein Kilogramm Äpfel durchschnittlich 1,39 EUR/kg, sicherlich wird das Niveau in einem Ausnahmejahr wie 2013 mit 1,53 EUR/kg erreicht, vermutlich sogar überschritten.

Besonders knapp ist die Jonagold-Gruppe vertreten, regionsabhängig gibt es Ausfälle von 50 % bis 90 %. Weniger geschädigt wurden Gala (-25 %) und Elstar (-35 %).

Ausgleich durch Importware möglich?

Die schwache Angebotssituation dürfte mehr Importware anziehen. Aber auch hier gibt es nur einen kleinen Kreis an europäischen Apfelanbaugebieten, die für eine halbwegs entspannte Marktlage sorgen könnten.

Nur Frankreich oder Spanien wurden von den Frühjahrsfrösten verschont, wobei letztere Region kaum Äpfel exportiert. Man muss abwarten, wie traditionelle Exportnationen, unter anderem Polen oder Italien, in den kommenden Monaten agieren. Wir bewegen uns in einem globalen Apfelmarkt und die politischen sowie wirtschaftlich instabilen Verhältnisse in zahlreichen Ländern außerhalb der EU könnten die Warenströme massiv verändern. Dann steht Deutschland natürlich im Fokus und dem hiesigen Konsumenten bieten sich doch streckenweise attraktive Ladenverkaufspreise.

AMI Markt Woche EU Kernobst

Möchten Sie mehr über den deutschen und globalen Apfelmarkt erfahren? Dazu können Sie die wöchentlich erscheinende AMI Markt Woche EU Kernobst abonnieren. Nutzen Sie noch heute die Bestellmöglichkeit im Shop und sichern Sie sich ihren Zugang zu fundierten Marktinformationen.

Beitrag von Helwig Schwartau

© Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

Zurück

Das könnte Sie auch interessieren

Deutschland | Stängelgemüse | Strukturdaten

Eine Spargelsaison der Extreme spiegelt sich auch in den Bewertungen wider

18.08.2017 (AMI) – Die deutsche Spargelsaison 2017 war von mehreren Extremen geprägt. Diese wirkten sich auf Angebot, Preis und Nachfrage aus. Diese Extreme finden sich nun auch in den Einschätzungen der Spargelproduzenten zur Saison 2017 wieder. Insgesamt wurde die Spargelsaison schlechter bewertet als im Vorjahr. Lediglich die bessere Bewertung der Erntemenge verhindert ein noch schlechteres Ergebnis.  Mehr

Deutschland | Milch & Milchprodukte | Haushaltsnachfrage

Höhere Fettgehalte liegen bei den Verbrauchern im Trend

17.08.2017 (AMI) – Milchprodukte mit höheren Fettgehalten statt Light-Varianten, Bio-Milch statt konventionell erzeugte Milch: Dieser Wandel des Konsumverhaltens der Verbraucher in Deutschland setzte sich im ersten Halbjahr 2017 fort. Insgesamt entwickelte sich die Nachfrage nach Milchprodukten dabei jedoch uneinheitlich.  Mehr

Europa | Vieh & Fleisch | Markttrends

Licht und Schatten im Eierskandal

16.08.2017 (AMI) – Pünktlich zum Sommerloch landet der Eierskandal um mit Fipronil verseuchte Eier in den Medien. Es gibt hierbei gewisse Analogien zu bisherigen Lebensmittelskandalen. Neben übertriebener Panikmache bis hin zu fehlender Transparenz in der Ursachenermittlung gibt es viele Facetten der Berichterstattung. Welche Analogien und Folgen lassen sich feststellen?  Mehr